Nivea-Creme im Bad, Persil in der Waschküche: Die Produkte von Beiersdorf und Henkel stehen in fast jedem deutschen Haushalt. Als Aktien werden die beiden Konzerne aber selten miteinander verglichen. Dabei ist der Vergleich spannend: Henkel zahlt mehr als doppelt so viel Dividende – und trotzdem hätten Anleger mit Beiersdorf in den letzten zehn Jahren mehr verdient. Ich habe mir beide Unternehmen mit allen wichtigen Zahlen angesehen.
Die beiden Konzerne im Steckbrief
| Beiersdorf | Henkel (Vorzugsaktie) | |
|---|---|---|
| Gegründet | 1882 in Hamburg | 1876 in Aachen |
| Sitz | Hamburg | Düsseldorf |
| Bekannte Marken | Nivea, Eucerin, Hansaplast, La Prairie, tesa | Persil, Schwarzkopf, Pril, Fa, Loctite |
| Großaktionär | maxingvest (Tchibo-Eigentümer) mit 50,5 % | Familie Henkel mit über 60 % der Stammaktien |
| Mitarbeiter | ca. 22.700 | ca. 47.000 |
| Aktienkurs (23.10.2026) | ca. 84 € | ca. 78 € |
| Börsenwert | rund 18 Mrd. € | rund 32 Mrd. € |
| Index | DAX | DAX |
Die Geschichte von Beiersdorf: vom Pflaster zur Weltmarke
Am 28. März 1882 erhielt der Hamburger Apotheker Paul Beiersdorf ein Patent auf ein medizinisches Pflaster – das gilt bis heute als Gründungsdatum. Schon 1890 verkaufte er das Unternehmen an den Apotheker Oscar Troplowitz, der es groß machte. Im Dezember 1911 kam die Nivea-Creme auf den Markt, möglich gemacht durch einen neuartigen Emulgator. 1922 folgte Hansaplast, 1936 wurde tesa zur eigenen Marke für Klebebänder.
Heute gehört gut die Hälfte des Konzerns der maxingvest AG, der Holding der Hamburger Familie Herz, der auch Tchibo gehört. Beiersdorf ist damit ein Familienunternehmen mit Börsennotierung.
Die Geschichte von Henkel: das erste selbsttätige Waschmittel
Fritz Henkel gründete sein Unternehmen 1876 in Aachen und verkaufte zunächst ein Waschmittel auf Basis von Wasserglas. 1878 zog die Firma nach Düsseldorf, wo sie bis heute sitzt. Der große Durchbruch kam 1907 mit Persil, dem ersten selbsttätigen Waschmittel der Welt: Wäsche musste nicht mehr stundenlang gerubbelt werden.
Was viele nicht wissen: Henkels größtes Geschäft ist heute nicht Persil, sondern Klebstoff. Mit der Marke Loctite und Tausenden Industrieklebstoffen für Autos, Elektronik und Verpackungen ist Henkel nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Die Gründerfamilie hält über einen Aktienbindungsvertrag die Mehrheit der Stammaktien. Börsianer kaufen meist die Vorzugsaktie, die etwas mehr Dividende bringt, aber kein Stimmrecht hat.
Kurioser Fakt: Beide verdienen an Klebstoff
Beiersdorf gehört mit tesa einer der bekanntesten Klebeband-Hersteller der Welt. Henkel macht mit Klebstoffen sogar mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Der Nivea-Konzern und der Persil-Konzern sind also ein Stück weit auch Konkurrenten – nur nicht im Badezimmer.
Die Geschäftsbereiche im Vergleich
| Bereich | Umsatz 2025 | Organisches Wachstum | Bereinigte EBIT-Marge |
|---|---|---|---|
| Beiersdorf Consumer (Nivea, Derma, La Prairie) | 8,18 Mrd. € | +2,5 % | 13,6 % |
| Beiersdorf tesa | 1,68 Mrd. € | +1,8 % | 16,1 % |
| Henkel Adhesive Technologies (Klebstoffe) | 10,67 Mrd. € | +1,5 % | 16,7 % |
| Henkel Consumer Brands (Persil, Schwarzkopf) | 9,68 Mrd. € | +0,3 % | 14,5 % |
Innerhalb von Beiersdorf lohnt sich ein genauerer Blick: Die Marke Nivea allein brachte 2025 rund 5,5 Mrd. € Umsatz, wuchs aber organisch nur um 0,9 %. Die Wachstumstreiber waren Eucerin und Aquaphor (Derma) mit einem Plus von 11,7 % und Hansaplast mit 9,3 %. Die Luxusmarke La Prairie schrumpfte dagegen erneut, um 4,5 %.
Die wichtigsten Kennzahlen 2025
| Kennzahl | Beiersdorf | Henkel |
|---|---|---|
| Umsatz | 9,85 Mrd. € | 20,5 Mrd. € |
| Organisches Wachstum | +2,4 % | +0,9 % |
| Bereinigtes EBIT | 1,38 Mrd. € | 3,03 Mrd. € |
| Bereinigte EBIT-Marge | 14,0 % | 14,8 % |
| Gewinn je Aktie | 4,25 € | 5,33 € (bereinigt) |
| Free Cashflow | 0,91 Mrd. € (laut Unternehmen) | 1,85 Mrd. € |
| Aktienrückkäufe 2025 | rund 0,5 Mrd. € | Programm bis 1 Mrd. € (gestartet 2025) |
| Umsatzwachstum seit 2016 | rund +46 % (von 6,75 Mrd. €) | rund +10 % (von 18,7 Mrd. €) |
Henkel ist mehr als doppelt so groß und etwas profitabler. Beiersdorf ist dafür in den letzten Jahren deutlich schneller gewachsen: Seit 2016 hat der Umsatz um fast die Hälfte zugelegt, bei Henkel nur um rund ein Zehntel. Ein Grund: Henkel hat Geschäfte verkauft, etwa das nordamerikanische Handelsmarkengeschäft, und viele Marken zusammengelegt.
Das Jahr 2026: Die Rollen tauschen sich
2026 läuft es bisher genau andersherum als in den Jahren davor:
| Erstes Halbjahr 2026 | Beiersdorf | Henkel |
|---|---|---|
| Umsatz | 4,95 Mrd. € | 10,35 Mrd. € |
| Organisches Wachstum | −3,5 % | +3,2 % |
| Bereinigte EBIT-Marge | 15,5 % | 15,7 % |
| Prognose 2026 | gesenkt: leichter Umsatzrückgang, EBIT-Marge mindestens 11,8 % | angehoben: +1,5 bis 3,5 % organisch, Marge 14,5 bis 16,0 % |
Beiersdorf kämpft mit einer Nivea-Schwäche, einem schwierigen Hautpflegemarkt und höheren Kosten durch die Krise im Nahen Osten. Der Vorstand hat deshalb einen 18-monatigen Nivea-Turnaround-Plan beschlossen: günstigere, stärker auf einzelne Länder zugeschnittene Produkte und mehr Werbung. 2027 sollen Wachstum und Marge stabil sein, ab 2028 will Beiersdorf wieder profitabel wachsen.
Henkel wächst dagegen vor allem im Klebstoffgeschäft (+4,5 % im ersten Halbjahr) und kauft zu: Für 2,1 Mrd. € übernimmt der Konzern den niederländischen Spezialbeschichter Stahl, dazu kommt ATP Adhesive Systems. Zusammen bringen die Zukäufe fast 1 Mrd. € zusätzlichen Umsatz.
Bilanz: Beiersdorf ist eine Festung
| Bilanz | Beiersdorf | Henkel |
|---|---|---|
| Eigenkapitalquote (Ende 2025) | rund 68 % | – |
| Netto-Finanzposition Ende 2025 | rund +2,4 Mrd. € (mehr Cash als Schulden) | +0,1 Mrd. € |
| Netto-Finanzposition Mitte 2026 | – | −1,9 Mrd. € (nach Zukäufen und Rückkauf) |
Beiersdorf hat praktisch keine Schulden und Milliarden auf der hohen Kante. Das gibt Sicherheit, drückt aber auch die Rendite auf das Eigenkapital. Henkel war Ende 2025 ebenfalls nahezu schuldenfrei, hat für seine Zukäufe 2026 aber Schulden aufgenommen. Beide Bilanzen sind solide.
Die Dividende: Henkel zahlt doppelt so viel
| Dividende | Beiersdorf | Henkel Vz |
|---|---|---|
| Dividende für 2025 | 1,00 € | 2,07 € |
| Dividendenrendite | 1,2 % | 2,6 % |
| Ausschüttungsquote | ca. 24 % | ca. 38 % |
| Längste Phase ohne Erhöhung | 0,70 € für 14 Jahre (Geschäftsjahre 2009 bis 2022) | 1,85 € für 6 Jahre (Geschäftsjahre 2018 bis 2023) |
| Summe der letzten 10 Zahlungen | 7,90 € | 18,62 € |
| Zahltermin | nach der HV im Frühjahr | nach der HV im Frühjahr |
Für Dividendenanleger ist keiner der beiden ein Musterschüler. Beiersdorf hat seine Dividende 14 Jahre lang nicht erhöht und schüttet nur knapp ein Viertel des Gewinns aus – das Unternehmen investiert lieber und kauft eigene Aktien zurück. Henkel zahlt deutlich mehr, hat die Dividende aber ebenfalls sechs Jahre lang eingefroren. Erst seit 2024 steigen beide wieder.
Die Aktie: Was aus 10.000 € geworden ist
| 10 Jahre (Okt. 2016 bis Okt. 2026) | Beiersdorf | Henkel Vz |
|---|---|---|
| Kurs vor 10 Jahren (ca.) | 83 € | 119 € |
| Kurs heute | 84 € | 78 € |
| Kursentwicklung | rund ±0 % | rund −34 % |
| Erhaltene Dividenden je Aktie | 7,90 € | 18,62 € |
| Aus 10.000 € wurden | ca. 11.100 € | ca. 8.100 € |
Hier zeigt sich die wichtigste Lehre des Vergleichs: Eine hohe Dividende nützt wenig, wenn der Kurs fällt. Henkel hat in zehn Jahren mehr als doppelt so viel ausgeschüttet – trotzdem stehen Henkel-Anleger mit rund 19 % im Minus, Beiersdorf-Anleger mit rund 11 % im Plus. Zufrieden kann man mit keinem der beiden sein: Der DAX hat im gleichen Zeitraum deutlich mehr gebracht. Was am Ende zählt, ist die Gesamtrendite aus Kurs und Dividende. Mehr dazu in meinem Beitrag zum Mythos „Dividende ist geschenktes Geld“.
Die Bewertung heute
| Bewertung | Beiersdorf | Henkel Vz |
|---|---|---|
| KGV (auf Gewinn je Aktie 2025) | ca. 20 | ca. 15 |
| Dividendenrendite | 1,2 % | 2,6 % |
| Gewinnrendite (1 ÷ KGV) | ca. 5 % | ca. 6,8 % |
| Trend 2026 | Prognose gesenkt | Prognose angehoben |
Beim KGV ist Beiersdorf deutlich teurer – und weil die Marge 2026 sinkt, dürfte der Gewinn je Aktie in diesem Jahr eher fallen. Das KGV auf den Gewinn 2026 wäre dann noch höher. Die Börse bezahlt bei Beiersdorf also schon heute die erhoffte Erholung von Nivea mit. Henkel ist günstiger bewertet, muss aber erst beweisen, dass die Zukäufe sich lohnen und das Wachstum anhält.
Chancen und Risiken
| Beiersdorf | Henkel | |
|---|---|---|
| Chancen | Starke Derma-Marken (Eucerin, Aquaphor) wachsen zweistellig; Nivea-Turnaround mit Potenzial; Festungsbilanz; Rückkäufe | Weltmarktführer Klebstoffe; Prognose angehoben; Zukäufe bringen fast 1 Mrd. € Umsatz; günstige Bewertung |
| Risiken | Nivea wächst kaum; La Prairie schrumpft; Marge 2026 deutlich niedriger; hohes KGV; niedrige Dividende | Abhängig von der Industriekonjunktur (Autos, Elektronik); Consumer-Geschäft wächst kaum; Integrationsrisiko bei Zukäufen; neue Schulden |
Mein Fazit
Ein klarer Sieger lässt sich nicht küren – es kommt darauf an, was du suchst.
- Für Dividendenjäger ist Henkel die bessere Wahl: 2,6 % Rendite, eine höhere Ausschüttungsquote und eine günstigere Bewertung. Allerdings zeigt die Vergangenheit, dass die Dividende allein den Kursverlust nicht ausgleichen konnte.
- Für Qualitätsanleger spricht mehr für Beiersdorf: höheres Wachstum über zehn Jahre, starke Hautpflegemarken und eine nahezu unangreifbare Bilanz. Dafür ist die Dividende mager und die Aktie nicht billig – gerade jetzt, wo Nivea schwächelt.
Für mein Dividendendepot ist keine der beiden Aktien ein Muss. Henkel finde ich bei rund 15-fachem Gewinn interessanter, solange das Klebstoffgeschäft weiter wächst. Bei Beiersdorf warte ich ab, ob der Nivea-Turnaround 2027 wirklich greift.
Und du? Team Nivea oder Team Persil – welche der beiden Aktien würdest du eher kaufen? Schreib es mir in die Kommentare.
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Wo stehen Beiersdorf und Henkel im Vergleich zu Allianz, Telekom und Co.?
Zur DAX-Übersicht →Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 25. Oktober 2026. Quellen: Geschäftsberichte 2025 von Beiersdorf und Henkel, Henkel-Halbjahresbericht 2026, Beiersdorf-Ad-hoc-Mitteilung vom 03.08.2026, Henkel-HV-Ergebnisse 2026, boerse.de, finanzen.ch, stockevents, stockanalysis.com, CHEManager. Die 10-Jahres-Rechnung ist eine vereinfachte eigene Berechnung ohne Steuern und Wiederanlage.
