Mensch und Maschine: Der unbekannte Software-Champion mit 6 % Dividende – meine Bewertung

Wenn ich nach deutschen Hidden Champions gefragt werde, fällt ein Name fast nie: Mensch und Maschine. Kein Konsumgut, keine bekannte Marke, kein DAX-Konzern. Trotzdem hat die Aktie aus 10.000 € zwischen 2014 und 2021 zeitweise über 85.000 € gemacht – und die Dividende ist in zehn Jahren von 0,20 € auf 2,00 € je Aktie gestiegen. Seit dem Hoch hat die Aktie allerdings rund die Hälfte verloren. Genau deshalb habe ich sie mir jetzt genauer angesehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenMensch und Maschine Software SE (WKN 658080, Kürzel MUM)
SitzWeßling (Oberbayern), gegründet 1984
Aktienkursrund 33 € (Stand: 21. Oktober 2026)
Börsenwertknapp 0,6 Mrd. € (rund 17,2 Mio. Aktien)
Dividende2,00 € für 2025 – geplant 2,20 bis 2,40 € für 2026
Dividendenrenditerund 6 %
Gewinn je Aktie 2026 (Prognose)2,11 bis 2,26 €
KGV 2026rund 15
GroßaktionärGründer Adi Drotleff mit rund 47 %
Quellen: Unternehmensangaben, Halbjahres- und Neunmonatsbericht 2026, FAZ-Unternehmergespräch 09/2024. Eigene Berechnungen.

Was macht Mensch und Maschine?

Mensch und Maschine entwickelt und verkauft Software, mit der Ingenieure, Maschinenbauer und Bauplaner arbeiten: CAD (Konstruktion), CAM (Fertigung) und BIM (digitales Planen von Gebäuden und Bauwerken). Das Unternehmen hat über 1.000 Mitarbeiter, mehr als 30.000 Kunden und rund 75 Standorte in 22 Ländern. Etwa 60 % des Umsatzes kommen aus dem deutschsprachigen Raum.

Das Geschäft besteht aus zwei Teilen:

  • MuM-Software (eigene Produkte): Das Herzstück ist die Tochter OPEN MIND mit der CAM-Software hyperMILL. Damit werden Fräs- und Drehmaschinen programmiert, vor allem für anspruchsvolle 5-Achs-Bearbeitung im Werkzeug-, Formen- und Maschinenbau. Dazu kommt SOFiSTiK, eine Software für Statik und BIM im Brücken- und Tunnelbau. Dieser Bereich ist hochprofitabel und wächst.
  • Digitalisierung (Beratung und Vertrieb): Hier verkauft und betreut MuM vor allem Software von Autodesk und passt sie an Kundenprojekte an. Mensch und Maschine ist einer der größten Autodesk-Partner in Europa.

Spannend ist die Entwicklung: 2001 kamen noch über 75 % der Wertschöpfung aus dem Weiterverkauf von Autodesk-Produkten. Heute stammt der Großteil aus eigener Software – im ersten Halbjahr 2026 waren es fast 83 % des Rohertrags. Aus einem Händler ist ein Software-Hersteller geworden.

Warum ich von einem Hidden Champion spreche

  • Nischen-Weltklasse: hyperMILL gehört zu den führenden CAM-Programmen für die 5-Achs-Fertigung. OPEN MIND hat nach eigenen Angaben über 10.000 Kunden und mehr als 400 Mitarbeiter, davon über 90 in der Entwicklung.
  • Hohe Wechselkosten: Wer seine Maschinen und Mitarbeiter auf eine CAM-Software eingestellt hat, wechselt nicht leichtfertig. Das sorgt für treue Kunden und wiederkehrende Einnahmen.
  • Gründer an Bord: Adi Drotleff hat das Unternehmen 1984 gegründet und hält bis heute rund 47 %. Zusammen mit dem Management liegen gut 55 % in festen Händen. Sein Motto: lieber „den Ball flacher halten“ und langfristig denken.
  • Kaum bekannt: Nur rund 45 % der Aktien sind im Streubesitz, die Marktkapitalisierung ist klein. Große Fonds schauen hier selten hin – für Privatanleger kann genau das eine Chance sein.

Die Dividende: verzehnfacht in zehn Jahren

GeschäftsjahrDividende je Aktie
2014 (gezahlt 2015)0,20 €
20221,40 €
20231,65 €
20241,85 €
20252,00 €
2026 (geplant)2,20 bis 2,40 €
Quellen: Unternehmensangaben, SMC Research. Ausschüttung jeweils im Folgejahr nach der Hauptversammlung.

Das ist ein Dividendenwachstum von rund 25 % pro Jahr. Ein Detail, das viele übersehen: Von der Dividende für 2025 stammt 1,00 € aus dem steuerlichen Einlagekonto. Dieser Teil wird zunächst ohne Abzug von Abgeltungsteuer ausgezahlt (er mindert allerdings deinen steuerlichen Einstandskurs). Für meine persönliche Dividendenrendite heißt das: Wer 2014 für 7,75 € eingestiegen ist, bekommt heute über 25 % Dividende auf seinen Kaufkurs.

Warum die Aktie gefallen ist

2021 notierte die Aktie bei rund 66 €, heute sind es rund 33 €. Der Hauptgrund heißt Autodesk. Der US-Konzern hat sein Vertriebsmodell umgestellt: MuM verkauft Autodesk-Software nicht mehr als Händler, sondern bekommt eine Provision. Außerdem laufen die früher üblichen Dreijahresverträge aus.

  • Der Umsatz sieht dadurch kleiner aus, obwohl das Geschäft nicht geschrumpft ist – es fällt nur der reine Durchlauf-Umsatz weg. Die EBIT-Marge ist von 14,3 % auf 20,6 % gestiegen.
  • Im Digitalisierungsgeschäft fehlt 2026 Ertrag: In den ersten neun Monaten fiel der Rohertrag dort um 12,5 %. Dadurch sank der Gewinn je Aktie leicht von 1,45 € auf 1,42 €.
  • Gleichzeitig wächst die eigene Software weiter: Rohertrag +8,5 % in neun Monaten, im Halbjahr ein EBIT-Plus von 19 %. Der operative Cashflow stieg um fast 67 %.

Laut Unternehmen ist im vierten Quartal kaum noch mit Gegenwind durch Autodesk zu rechnen und ab 2027 gar nicht mehr. Die Jahresprognose von 2,11 bis 2,26 € Gewinn je Aktie wurde bestätigt, das Management hält die untere Hälfte für erreichbar.

Das große Ziel: Gewinn verdoppeln bis 2030

Mensch und Maschine will den Gewinn je Aktie bis 2030 gegenüber 2025 verdoppeln – auf über 3,80 €. Das entspricht rund 15 % Gewinnwachstum pro Jahr. Erreicht werden soll das vor allem über ein Rohertragswachstum von etwa 8 % pro Jahr und eine steigende Marge. Ob das klappt, ist natürlich offen. Die Vergangenheit macht aber Mut: Der Gewinn je Aktie ist im letzten Jahrzehnt im Schnitt deutlich zweistellig gewachsen.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Ich habe drei einfache Szenarien gerechnet. Grundlage ist der Gewinn je Aktie im Jahr 2030 mal einem angemessenen KGV, abgezinst mit 8 % pro Jahr auf heute. Die Dividenden bis dahin sind nicht eingerechnet – sie kämen noch obendrauf.

SzenarioGewinn je Aktie 2030KGVKurs 2030Fairer Wert heute
Vorsichtig3,00 €1442 €ca. 31 €
Basis (Ziel erreicht)3,80 €1557 €ca. 42 €
Optimistisch3,80 €1868 €ca. 50 €
Eigene Modellrechnung, Abzinsung über 4 Jahre mit 8 % p. a. Keine Kursprognose.

Zum Vergleich die Analysten: Berenberg sieht den fairen Wert bei 37 € (Halten), die DZ Bank bei 54 € (Kaufen). Beim aktuellen Kurs von rund 33 € preist die Börse also eher das vorsichtige Szenario ein. Dazu kommen jedes Jahr rund 6 % Dividende.

Die Risiken

  • Abhängigkeit von Autodesk: Ändert der Partner erneut seine Konditionen, trifft das MuM direkt. Diese Abhängigkeit ist zwar kleiner geworden, aber nicht verschwunden.
  • Ausschüttung über dem Gewinn: 2,00 € Dividende bei 1,91 € Gewinn je Aktie für 2025 – die Ausschüttungsquote liegt über 100 %. Gedeckt ist das durch den Cashflow, aber auf Dauer muss der Gewinn wieder vor der Dividende liegen. Das ist ein klassisches Warnsignal, das ich im Auge behalte.
  • Konjunktur im Maschinenbau: Wenn die Industrie weniger investiert, kaufen Kunden weniger neue Software-Lizenzen.
  • Nebenwert: Geringer Streubesitz und kleine Börsenumsätze können zu starken Kursschwankungen führen.
  • Abhängigkeit vom Gründer: Adi Drotleff ist Jahrgang 1953. Die Nachfolge an der Spitze wird früher oder später ein Thema.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
Eigene Weltklasse-Software (hyperMILL) in einer NischeAutodesk bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Gründer mit 47 % Anteil, langfristiges DenkenAusschüttungsquote derzeit über 100 %
Dividende in zehn Jahren verzehnfachtGewinn 2026 bisher leicht unter Vorjahr
Rund 6 % Dividendenrendite, teils steuerfreiKleiner Nebenwert, schwankungsanfällig
Klares Ziel: Gewinnverdopplung bis 2030Abhängig von der Investitionslust der Industrie

Mein Fazit

Mensch und Maschine ist für mich ein echter Hidden Champion: unbekannt, gründergeführt, mit eigener Software, die in ihrer Nische zur Weltspitze gehört – und mit einer Dividendenhistorie, von der viele DAX-Konzerne nur träumen. Der Kursrutsch hat vor allem mit der Umstellung bei Autodesk zu tun, nicht mit einem Problem im eigenen Software-Geschäft. Das wächst weiter.

Entscheidend wird das vierte Quartal 2026 und vor allem 2027, wenn der Autodesk-Effekt wegfällt. Zeigt sich dann das angekündigte Gewinnwachstum, ist die Aktie bei rund 33 € aus meiner Sicht günstig bewertet. Bleibt es aus, wird die Dividende auf Dauer schwer zu halten sein. Ich setze Mensch und Maschine deshalb ganz oben auf meine Watchlist und schaue mir die Jahreszahlen im Frühjahr 2027 genau an.

Und du? Kanntest du Mensch und Maschine schon – oder hast du einen anderen Hidden Champion im Depot? Schreib es mir in die Kommentare.

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Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 24. Oktober 2026. Quellen: Halbjahres- und Neunmonatsbericht 2026 der Mensch und Maschine Software SE, 4investors, goldesel.de, SMC Research, FAZ-Unternehmergespräch 09/2024, OPEN MIND Technologies.

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