Elmos Semiconductor: Der Chip-Champion aus Dortmund, den kaum jemand kennt

Elmos Semiconductor: Der Chip-Champion aus Dortmund im Check – Dividenden-Regen

Wenn dein Auto beim Einparken piept, das Rücklicht in LED-Optik leuchtet oder der Innenraum in Ambientefarben schimmert, steckt mit gutem Grund ein Chip aus Dortmund dahinter. Elmos Semiconductor entwickelt seit über 40 Jahren Mikrochips für die Autoindustrie – und ist in mehreren Nischen nach eigenen Angaben Weltmarktführer. An der Börse hat Elmos eine beeindruckende Geschichte geschrieben: Ende 2008 kostete die Aktie 2,30 €, heute sind es rund 121 €. Trotzdem ist sie gerade 41 % vom Rekordhoch entfernt. Hidden Champion #4 im Check.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenElmos Semiconductor SE (WKN 567710, ISIN DE0005677108)
SitzDortmund, gegründet 1984
IndexSDAX
Aktienkursrund 121 € (Xetra, 23. Oktober 2026)
Rekordhoch206 € (Mai 2026)
Börsenwertrund 2,1 Mrd. €
Umsatz 2025582,6 Mio. € (Rekord)
Dividende1,50 € für 2025 (+50 %), Rendite rund 1,2 %
KGVrund 21 (auf Gewinn je Aktie 2025 von 5,88 €)
Ziel 2030rund 1 Mrd. € Umsatz bei rund 25 % EBIT-Marge
Quellen: Elmos (Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026, HV-Präsentation 2026), ad-hoc-news, stock3. Eigene Berechnungen.

Was macht Elmos?

Elmos entwickelt sogenannte Mixed-Signal-Chips: Halbleiter, die analoge Signale aus der echten Welt – Schall, Licht, Bewegung – mit digitaler Steuerung verbinden. Fast das gesamte Geschäft hängt am Auto:

  • Ultraschall-Abstandsmessung: Chips für Einparkhilfen und Fahrerassistenzsysteme.
  • LED-Licht: Ansteuerung von LED-Rückleuchten und Ambientebeleuchtung im Innenraum.
  • Motorsteuerung und Sensoren: Chips für kleine Elektromotoren – etwa für Lüfter, Pumpen oder Klappen – und für intelligente Sensoren.

In mehreren dieser Felder bezeichnet sich Elmos als Weltmarktführer. Seit 2025 arbeitet Elmos „fabless“: Das Unternehmen entwickelt die Chips selbst, lässt sie aber bei spezialisierten Auftragsfertigern produzieren. Das spart Investitionen und macht das Geschäft deutlich kapitalschonender. Neu im Fokus steht die Robotik – auf der Messe electronica zeigte Elmos 2026 über 120 Anwendungen dafür.

Die Geschichte: vom Dortmunder Technologiepark zum Weltmarktführer

JahrMeilenstein
1984Prof. Dr. Günter Zimmer, Dr. Klaus Weyer und Norbert Ellenberger gründen Elmos als erste Firma im Technologiepark Dortmund
1987Erste Aufträge von BMW – Elmos wird Nischenlieferant der Autoindustrie
1999Börsengang am Neuen Markt in Frankfurt
2008Finanzkrise: Die Aktie steht zum Jahresende bei 2,30 €
2010Erste Dividende seit Jahren: 0,20 € – seitdem nie gekürzt
2022Die Bundesregierung untersagt den Verkauf der Chipfabrik an einen chinesischen Käufer
202440-jähriges Jubiläum, Verkauf der Dortmunder Waferfabrik an Littelfuse (USA)
2025Start als „fabless“-Unternehmen, Rekordumsatz von 582,6 Mio. €
Mai 2026Rekordhoch bei 206 €, Gründer verkaufen rund 10 % der Aktien
2030 (Ziel)rund 1 Mrd. € Umsatz und rund 25 % EBIT-Marge
Quellen: Elmos (40-Jahre-Jubiläum, HV-Präsentation 2026), Wikipedia, Der Aktionär, boersengefluester.de.

Von 2,30 € Ende 2008 auf heute rund 121 € – das ist mehr als das 50-Fache in 18 Jahren, Dividenden noch nicht eingerechnet. Selbst wer Ende 2016 zu 14,23 € eingestiegen ist, liegt heute mit dem Achtfachen im Plus.

Die Zahlen: Umsatz fast verdoppelt

JahrUmsatzGewinn je AktieDividende
2021322 Mio. €2,24 €0,65 €
2022447 Mio. €4,17 €0,75 €
2023575 Mio. €5,79 €0,85 €
2024581 Mio. €7,51 €*1,00 €
2025583 Mio. €5,88 €1,50 €
2026 (Prognose)ca. 650 Mio. € (+12 % ±2)––
2030 (Ziel)rund 1 Mrd. €––
Quellen: Elmos HV-Präsentation 2026 (Umsatz, Dividende), boersengefluester.de (Gewinn je Aktie). *2024 durch Sondereffekte aus dem Fabrikverkauf beeinflusst. Prognose 2026: eigene Rechnung auf Basis der Unternehmensprognose.

Das erste Halbjahr 2026 lief stark: Der Umsatz stieg um 15 % auf 314,5 Mio. €, die operative EBIT-Marge kletterte von 20,4 % auf 24,1 %, und der bereinigte freie Cashflow hat sich auf 55,5 Mio. € mehr als verdoppelt. Elmos hat seine Prognose im Mai angehoben: +12 % Umsatz (±2 Prozentpunkte) und eine operative EBIT-Marge von 23 bis 26 %.

Die Dividende: seit 2010 nie gekürzt

Jahr2015201720192021202320242025
Dividende0,33 €0,40 €0,52 €0,65 €0,85 €1,00 €1,50 €
Quelle: Elmos HV-Präsentation 2026. Dividende für das jeweilige Geschäftsjahr.

In zehn Jahren hat sich die Dividende fast verfünffacht. Die Ausschüttungsquote liegt mit rund 26 % niedrig – es bleibt also viel Spielraum für weitere Erhöhungen. Zusätzlich kauft Elmos eigene Aktien zurück. Die Dividendenrendite ist mit rund 1,2 % zwar überschaubar, für die persönliche Dividendenrendite langfristiger Anleger sieht es aber ganz anders aus: Wer Ende 2016 gekauft hat, bekommt heute über 10 % auf seinen Einstandskurs.

Warum die Aktie 41 % unter dem Rekord liegt

  • Gründer verkaufen: Direkt nach dem Rekordhoch von 206 € im Mai 2026 haben die Gründerfamilien rund 10 % der Aktien platziert. Der Streubesitz stieg von 46 auf 56 %. Die Aktie fiel daraufhin deutlich.
  • Breiter Ausverkauf bei Chipwerten: Im Herbst 2026 gerieten Halbleiteraktien insgesamt unter Druck. Elmos fiel von gut 160 € Anfang Oktober auf rund 121 €.
  • Sondereffekte: Die Umstellung der Mitarbeiter-Aktienvergütung drückte im zweiten Quartal den berichteten Gewinn. Operativ lief es besser als die Nettozahlen zeigen.
  • Autokonjunktur: Die weltweite Autoproduktion soll 2026 leicht sinken. Elmos wächst trotzdem, weil in jedem neuen Auto mehr Chips stecken.

Branchenvergleich

FirmaUmsatz H1WachstumEBIT-MargeDividende
Elmos315 Mio. €+15 %24 %ja, 1,2 %
Melexis (Belgien)419 Mio. €+2 %17 %ja
Erstes Halbjahr 2026. Elmos: operative EBIT-Marge. Quellen: Halbjahresberichte von Elmos und Melexis.

Der direkteste börsennotierte Konkurrent ist Melexis aus Belgien, ebenfalls ein Spezialist für Auto-Chips. Der Vergleich ist eindeutig: Elmos wächst derzeit deutlich schneller und ist profitabler. Gegenüber Riesen wie Infineon oder NXP ist Elmos ein Zwerg – genau das macht die Firma aber in ihren Nischen so stark, wo sich die Großen oft nicht engagieren.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Für 2027 rechne ich mit rund 720 Mio. € Umsatz (+10 %) und einer EBIT-Marge von 24 %. Daraus ergibt sich ein Gewinn je Aktie von rund 7,20 €. Drei Szenarien:

SzenarioGewinn je Aktie 2027KGVWert Ende 2027
Vorsichtig (Chip-Flaute)6,00 €15ca. 90 €
Basis7,20 €20ca. 144 €
Optimistisch (Ziel 2030 in Reichweite)7,50 €25ca. 188 €
Eigene Modellrechnung, keine Kursprognose. Dividenden nicht eingerechnet.

Zum Vergleich: mwb research sieht das Kursziel bei 180 €, Berenberg bei 215 €. Im Basisszenario hätte die Aktie bei rund 121 € knapp 20 % Luft nach oben. Wichtig: Am 10. November kommen die Zahlen zum dritten Quartal – sie dürften die Richtung vorgeben.

Die Risiken

  • Abhängigkeit von der Autoindustrie: Fast der gesamte Umsatz kommt aus dem Auto. Bricht die Produktion ein, spürt Elmos das direkt.
  • Halbleiter-Zyklus: Chipaktien schwanken stark. Allein seit Mai hat die Aktie über 40 % verloren.
  • Abhängigkeit von Auftragsfertigern: Ohne eigene Fabrik ist Elmos auf Partner angewiesen – Engpässe wie 2021 können die Lieferfähigkeit bremsen.
  • Weitere Verkäufe der Gründer: Nach Ablauf der Haltefrist im November 2026 könnten die Ankeraktionäre weitere Aktien abgeben.
  • Dollar und China: Ein schwacher Dollar und der Preisdruck chinesischer Konkurrenten können die Marge belasten.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
Weltmarktführer in mehreren Auto-NischenFast nur Autoindustrie
Umsatz seit 2021 fast verdoppeltAktie schwankt extrem
Dividende seit 2010 nie gekürzt, zuletzt +50 %Rendite nur rund 1,2 %
Fabless: weniger Investitionen, mehr CashflowAbhängig von Auftragsfertigern
Klares Ziel: 1 Mrd. € Umsatz bis 2030Gründer reduzieren ihre Anteile

Mein Fazit

Elmos ist einer der erfolgreichsten deutschen Nebenwerte der letzten zwei Jahrzehnte – und trotzdem kaum bekannt. Die Firma wächst schneller als die Autoindustrie, wird mit dem Umbau zum fabless-Unternehmen profitabler und kapitalschonender und erhöht ihre Dividende kräftig. Nach dem Rückgang um 41 % ist die Aktie mit einem KGV von rund 20 vernünftig bewertet.

Wer starke Schwankungen aushält und langfristig denkt, findet hier einen echten Qualitätswert. Ich setze Elmos auf meine Watchlist und schaue mir die Zahlen am 10. November genau an.

Und du? Kanntest du Elmos – oder hast du die Aktie sogar schon im Depot? Schreib es mir in die Kommentare.

Woche der Hidden Champions

ATOSS: 20 Rekordjahre in Folge

2001 war die Firma billiger als ihr Bargeld – heute ist sie 1,4 Mrd. € wert.

Zur Analyse →

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 26. Oktober 2026. Quellen: Elmos Semiconductor (Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026, HV-Präsentation 2026, 40-Jahre-Jubiläum), Melexis (Q2 2026), boersengefluester.de, ad-hoc-news, stock3, Der Aktionär, boerse-express, Wikipedia. Die Gewinnschätzungen für 2027 sind eigene, vereinfachte Berechnungen.

Eckert & Ziegler: Der unbekannte Strahlen-Spezialist aus Berlin im Check

Eckert & Ziegler: Der Strahlen-Spezialist aus Berlin im Check – Dividenden-Regen

Bei modernen PET-Untersuchungen auf Prostatakrebs steckt oft Technik eines Berliner Unternehmens dahinter, von dem kaum jemand gehört hat: Eckert & Ziegler. Die Firma stellt radioaktive Isotope und Strahlenquellen her – für Krebsdiagnose, Krebstherapie und die Industrie. Die Aktie hat eine wilde Geschichte hinter sich: minus 93 % nach dem Neuen Markt, dann eine Verzehnfachung in drei Jahren. Heute liegt sie wieder rund 25 % unter dem Vorjahresniveau. Hidden Champion #3 im Check.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenEckert & Ziegler SE (WKN 565970, ISIN DE0005659700)
SitzBerlin-Buch, gegründet 1992
IndexSDAX
Aktienkursrund 13 € (Stand: 25. Oktober 2026)
52-Wochen-Spanne12,00 € bis 17,39 €
Börsenwertrund 0,8 Mrd. € (ca. 63 Mio. Aktien)
Umsatz 2025312 Mio. € (Rekord)
Dividende0,22 € für 2025 (+29 %), Rendite rund 1,7 %
KGVrund 17 (auf Gewinn 2025), rund 15 (2026e)
Netto-Cashrund 108 Mio. € (ohne Leasing, März 2026)
Mitarbeiterüber 1.000
Quellen: Unternehmensangaben, boerse-express.com, roic.ai, boersengefluester.de. Eigene Berechnungen.

Was macht Eckert & Ziegler?

Eckert & Ziegler arbeitet mit Radioaktivität – aber nicht mit Kernkraft, sondern mit winzigen Mengen radioaktiver Stoffe für Medizin und Industrie. Das Geschäft hat zwei Säulen:

  • Medical (171 Mio. € Umsatz 2025, +15 %): Pharmazeutische Radioisotope und Generatoren für die Nuklearmedizin. Ein Beispiel ist GalliaPharm, ein Gallium-68-Generator, mit dem Kliniken Substanzen für PET-Untersuchungen herstellen – etwa um Prostatakrebs sichtbar zu machen. In Japan übernimmt Novartis den Vertrieb. Dazu kommen Isotope wie Lutetium-177, die in neuen Krebstherapien eingesetzt werden, bei denen radioaktive Wirkstoffe gezielt Tumorzellen zerstören.
  • Isotope Products (150 Mio. € Umsatz 2025, −5 %): Strahlenquellen für die Industrie – zum Beispiel zum Kalibrieren von Messgeräten, für die Prüfung von Schweißnähten an Pipelines oder für medizinische Bildgebungsgeräte. Dazu kommen Recycling und Entsorgung radioaktiver Materialien.

Der Markt für Nuklearmedizin könnte laut Marktforschern bis 2030 um rund 11 % pro Jahr wachsen. Der Umsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen ist bei Eckert & Ziegler von 18,5 Mio. € im Jahr 2017 auf über 115 Mio. € gestiegen.

Warum Eckert & Ziegler ein Hidden Champion ist

  • Extrem hohe Eintrittsbarrieren: Wer mit radioaktiven Stoffen arbeitet, braucht Genehmigungen, Spezial-Labore, Transportlizenzen und Arzneimittelzulassungen. Neue Wettbewerber tun sich entsprechend schwer.
  • Breitestes Angebot: Analysten bezeichnen Eckert & Ziegler als Marktführer mit dem breitesten Portfolio an radioaktiven Produkten und Dienstleistungen.
  • „Schaufel-Verkäufer“ im Radiopharma-Boom: Egal, welcher Pharmakonzern die nächste Krebstherapie mit radioaktiven Wirkstoffen auf den Markt bringt – er braucht Isotope und Generatoren. Eckert & Ziegler verdient mit, ohne das Risiko einer einzelnen Medikamentenentwicklung zu tragen.
  • Solide Bilanz: Netto rund 108 Mio. € mehr Cash als Schulden (ohne Leasing).
  • Gründer an Bord: Mitgründer Dr. Andreas Eckert führte das Unternehmen bis 2023, steht heute an der Spitze des Aufsichtsgremiums und ist größter Aktionär.

Die Geschichte: vom Recycling zur Krebstherapie

JahrMeilenstein
1992Dr. Andreas Eckert und Jürgen Ziegler gründen in Berlin die BEBIG GmbH – zunächst für das Recycling radioaktiver Materialien und Strahlenquellen
1997Umwandlung in die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG
1999Börsengang am Neuen Markt, Übernahme von Isotope Products Laboratories (USA)
2000Kauf des Quellen-Geschäfts von DuPont – der Marktanteil bei nuklearmedizinischen Referenzquellen steigt von 30 % auf über 65 %
2000–2009Nach dem Dotcom-Hype fällt die Aktie um rund 93 %
2009Übernahme der Nuclitec GmbH (Braunschweig)
2017–2020Radiopharma-Boom: Die Aktie verzehnfacht sich in rund drei Jahren, 2020 Aktiensplit
2022Übernahme von Tecnonuclear (Argentinien) – Ausbau in Südamerika
2025Rekordjahr mit 312 Mio. € Umsatz, Zulassung von GalliaPharm in Japan (Vertrieb: Novartis)
2026Prognose: rund 320 Mio. € Umsatz und rund 80 Mio. € bereinigtes EBIT
Quellen: BCC Research, Heavy Moat Investments, Unternehmensangaben. Insgesamt hat Eckert & Ziegler über 40 Firmen gekauft oder sich daran beteiligt.

Die Zahlen seit 2020

JahrUmsatzEBITGewinn je AktieDividende
2020176 Mio. €34 Mio. €0,37 €0,15 €
2021180 Mio. €47 Mio. €0,55 €0,17 €
2022222 Mio. €45 Mio. €0,47 €0,17 €
2023246 Mio. €45 Mio. €0,42 €–
2024296 Mio. €60 Mio. €0,53 €0,17 €
2025312 Mio. €74 Mio. €0,78 €0,22 €
2026 (Prognose)rund 320 Mio. €rund 80 Mio. € (bereinigt)ca. 0,87 € (Schätzung)–
Quelle: boersengefluester.de (splitbereinigt), Unternehmensprognose 2026. Das bereinigte EBIT lag 2025 bei 77,7 Mio. €. Die Dividende für 2023 ist in der Quelle uneinheitlich angegeben.

Seit 2020 ist der Umsatz um fast 80 % gewachsen, der Gewinn je Aktie hat sich mehr als verdoppelt. 2025 stieg der Jahresüberschuss um 46 % auf 48,8 Mio. €, die bereinigte EBIT-Marge kletterte auf rund 25 %.

Warum die Aktie schwächelt

  • Schwaches erstes Halbjahr 2026: Der Umsatz lag mit 149,3 Mio. € nur auf Vorjahresniveau, das bereinigte EBIT fiel um knapp 6 % auf 33,3 Mio. €. Grund: Im Vorjahr gab es einmalige Lizenzeinnahmen, die 2026 bisher fehlen. Der Nettogewinn stieg trotzdem um 5 %.
  • Schwaches Industriegeschäft: Der Bereich Isotope Products schrumpfte 2025 um 5 %, unter anderem wegen Projektverzögerungen nach einem Cyberangriff.
  • Starker Euro: Ein großer Teil des Geschäfts läuft in US-Dollar. Ein schwächerer Dollar drückt die Zahlen in Euro.
  • Hohe Erwartungen: Für die Jahresprognose von 80 Mio. € bereinigtem EBIT braucht Eckert & Ziegler ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr.

Branchenvergleich: Radiopharma ist ein Übernahme-Markt

FirmaUmsatzWachstumMarge*Dividende
Eckert & Ziegler0,31 Mrd. €+5 %25 %ja, 1,7 %
Lantheus (USA)ca. 1,5 Mrd. $+3 %26 %nein
Telix (Australien)ca. 0,96 Mrd. $+22 %niedrignein
Curium (Frankreich)nicht börsennotiert – übernimmt 2026 Lantheus für bis zu 8 Mrd. $
*Marge: Eckert & Ziegler = bereinigte EBIT-Marge 2025, Lantheus = operative Marge Q2 2026. Umsatz: Eckert & Ziegler 2025, Lantheus hochgerechnet aus Q2 2026, Telix Prognose 2026 (950–970 Mio. $). Wachstum: Eckert & Ziegler 2025, Lantheus Q2 2026, Telix H1 2026. Quellen: Unternehmensberichte.

Der Vergleich zeigt zweierlei: Eckert & Ziegler ist deutlich kleiner als die Konkurrenz, aber ähnlich profitabel wie Lantheus und als einziger der Gruppe ein Dividendenzahler. Vor allem aber ist Radiopharma ein Markt, in dem kräftig zugekauft wird. Im August 2026 hat Curium die Übernahme von Lantheus für bis zu 114,50 $ je Aktie vereinbart – insgesamt bis zu 8 Mrd. $. Pharmakonzerne wie Novartis haben in den letzten Jahren ebenfalls Milliarden in Radiopharma-Firmen investiert. Mit rund 0,8 Mrd. € Börsenwert wäre Eckert & Ziegler für große Käufer ein vergleichsweise kleiner Brocken.

Die Dividende

Für 2025 zahlt Eckert & Ziegler 0,22 € je Aktie – 29 % mehr als im Vorjahr. Bei einem Kurs von rund 13 € sind das etwa 1,7 % Rendite. Die Ausschüttungsquote liegt mit rund 28 % des Gewinns niedrig. Das Unternehmen investiert den Großteil lieber in Wachstum und Zukäufe. Für reine Dividendenjäger ist die Aktie deshalb nichts – für Anleger, die auf steigende Dividenden und eine wachsende persönliche Dividendenrendite setzen, schon eher.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Für 2026 rechne ich mit einem Gewinn je Aktie von rund 0,87 €, für 2027 mit rund 1,00 €, wenn das Medical-Geschäft weiter zweistellig wächst. Daraus ergeben sich drei Szenarien:

SzenarioGewinn je Aktie 2027KGVWert Ende 2027
Vorsichtig0,90 €15ca. 13,50 €
Basis1,00 €20ca. 20 €
Optimistisch (Radiopharma-Boom)1,10 €25ca. 27,50 €
Eigene Modellrechnung, keine Kursprognose. Übernahmefantasie nicht eingerechnet.

Zum Vergleich: Metzler sieht das Kursziel bei 21 €, eine weitere Analyse bei 21,50 €. Im Basisszenario hätte die Aktie bei rund 13 € gut 50 % Luft nach oben. Im vorsichtigen Szenario ist der heutige Kurs ungefähr fair.

Die Risiken

  • Regulierung und Lieferketten: Radioaktive Stoffe unterliegen strengen Auflagen. Ausfälle bei Reaktoren oder Lieferanten können die Produktion bremsen.
  • Schwankende Ergebnisse: Einmalige Lizenzeinnahmen machen die Zahlen von Jahr zu Jahr unruhig – das zeigt das erste Halbjahr 2026.
  • Wechselkurse: Viel Umsatz in US-Dollar, viele Kosten in Euro.
  • Starke Konkurrenz: Große Pharmakonzerne und Spezialisten wie Curium investieren Milliarden und könnten eigene Lieferketten aufbauen.
  • Cyber-Risiko: Der Cyberangriff 2025 hat gezeigt, wie verwundbar die Produktion ist.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
Hohe Eintrittsbarrieren durch Strahlenschutz und ZulassungenErstes Halbjahr 2026 ohne Wachstum
Profitiert vom Radiopharma-BoomIndustriegeschäft schrumpft
Netto-Cash, solide BilanzDividendenrendite nur rund 1,7 %
Übernahmefantasie in der BrancheDollar-Abhängigkeit
KGV um 15 für 2026Ergebnisse schwanken durch Einmaleffekte

Mein Fazit

Eckert & Ziegler ist ein echter Nischen-Champion: ein Geschäft, das kaum jemand nachmachen kann, mitten in einem der spannendsten Wachstumsmärkte der Medizin. Die Aktie hat ihren Hype hinter sich und ist mit einem KGV von rund 15 für 2026 vernünftig bewertet. Kurzfristig muss das Unternehmen beweisen, dass das zweite Halbjahr die Jahresprognose rettet.

Für ein reines Dividendendepot ist die Rendite zu niedrig. Als Beimischung für Wachstum mit wachsender Dividende – und mit einer Prise Übernahmefantasie – finde ich Eckert & Ziegler aber spannend. Ich setze die Aktie auf meine Watchlist und schaue mir die Zahlen zum dritten Quartal genau an.

Und du? Kanntest du Eckert & Ziegler – und glaubst du an den Radiopharma-Boom? Schreib es mir in die Kommentare.

Woche der Hidden Champions

Noch mehr unbekannte Champions

Mensch und Maschine: 6 % Dividende vom Software-Spezialisten aus Bayern.

Zur Analyse →

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 25. Oktober 2026. Quellen: Eckert & Ziegler (Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026, Dividende), boersengefluester.de, boerse-express.com, ad-hoc-news, roic.ai, BCC Research, Heavy Moat Investments, Quartalsberichte von Lantheus und Telix. Die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 sind eigene, vereinfachte Berechnungen.

ATOSS Software: 20 Rekordjahre in Folge – der stille Champion aus München im Check

ATOSS Software: 20 Rekordjahre in Folge – der stille Champion aus München im Check – Dividenden-Regen

Im November 2001 schrieb die Computerwoche über ATOSS Software: „praktisch umsonst“. Die Firma war an der Börse damals rund 25 Mio. € wert – weniger als das Geld, das sie auf dem Konto hatte. Heute liegt der Börsenwert bei rund 1,4 Mrd. €, das Unternehmen schreibt seit 20 Jahren ununterbrochen Rekordzahlen und gehört zu den profitabelsten Software-Firmen Europas. Trotzdem kennt kaum ein Privatanleger den Namen. Und: Die Aktie ist rund 40 % unter ihrem Hoch. Zeit für einen genauen Blick.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenATOSS Software SE (WKN 510440, Kürzel AOF)
SitzMünchen, gegründet 1987 von Andreas Obereder
Börsengang2000, heute im SDAX und TecDAX
Aktienkursrund 87 € (Stand: 23. Oktober 2026)
Allzeithoch146 € (Mai 2025)
Börsenwertrund 1,4 Mrd. € (ca. 15,9 Mio. Aktien)
Dividende2,28 € für 2025 (Vorjahr 2,13 €)
Dividendenrenditerund 2,6 %
EBIT-Marge 2026 (Prognose)rund 37 %
Schuldenkeine – rund 159 Mio. € Liquidität
Quellen: Unternehmensangaben, Neunmonatsbericht 2026, boerse.de. Eigene Berechnungen.

Was macht ATOSS?

ATOSS entwickelt Software für Workforce Management, auf Deutsch: Personaleinsatzplanung und Zeitwirtschaft. Klingt trocken, ist aber für viele Unternehmen geschäftskritisch. Wer im Supermarkt, im Krankenhaus, am Flughafen oder in der Fabrik Hunderte Mitarbeiter in Schichten einsetzt, muss jeden Tag beantworten: Wer arbeitet wann, wo, wie lange – und passt das zu Arbeitsrecht, Tarifvertrag und Kundenandrang?

Genau das erledigt ATOSS: Zeiterfassung, Dienstplanung, Personalbedarfsplanung und mobile Apps für die Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben nutzen rund 15.600 Kunden in 50 Ländern die Software. Seit 2015 sind alle Produkte auch aus der Cloud verfügbar. Rund 16 % des Umsatzes fließen jedes Jahr in die Entwicklung.

Warum ATOSS ein Hidden Champion ist

  • 20 Rekordjahre in Folge: Seit 2006 hat ATOSS jedes Jahr Umsatz und Ergebnis gesteigert – auch in der Finanzkrise und in der Corona-Zeit. 2026 soll das 21. Rekordjahr werden.
  • Extreme Profitabilität: Eine EBIT-Marge von 37 % erreichen nur wenige Software-Firmen weltweit. Von jedem Euro Umsatz bleiben bei ATOSS rund 37 Cent als operativer Gewinn.
  • Wiederkehrende Umsätze: 73 % des Umsatzes kommen aus Cloud-Abos und Wartungsverträgen. Das Geld fließt jeden Monat, egal wie die Konjunktur läuft.
  • Hohe Wechselkosten: Wer seine gesamte Dienstplanung und Zeiterfassung auf ATOSS umgestellt hat, wechselt nicht einfach. Das macht die Kunden sehr treu.
  • Schuldenfrei: ATOSS hat keine Bankschulden und rund 159 Mio. € Liquidität.

Die Geschichte: von „praktisch umsonst“ zur Milliarde

JahrMeilenstein
1987Andreas Obereder gründet ATOSS in München
2000Börsengang, Umsatz 21,5 Mio. €
2001Nach dem Dotcom-Crash ist ATOSS an der Börse nur rund 25 Mio. € wert – weniger als die Kasse
2006Start der Rekordserie – seitdem jedes Jahr neue Höchstwerte bei Umsatz und Ergebnis
2015Alle Produkte werden cloudfähig – heute machen Cloud-Abos 55 % des Umsatzes aus
2021Aufnahme in den SDAX
2023Investor General Atlantic steigt mit knapp 20 % ein, Aufnahme in den TecDAX
2024Aktiensplit 1:1
2025Allzeithoch bei 146 €, 20. Rekordjahr in Folge
Ende 2026Gründer Obereder wechselt in den Aufsichtsrat, COO Pritim Kumar Krishnamoorthy wird neuer Chef
Quellen: Computerwoche (02.11.2001), Unternehmensangaben, Wikipedia.

Von 25 Mio. € Börsenwert im Jahr 2001 auf heute rund 1,4 Mrd. € – das ist mehr als das 50-Fache, Dividenden noch nicht eingerechnet. Seit dem Börsengang hat ATOSS insgesamt 16,33 € je Aktie ausgeschüttet, inklusive einiger Sonderdividenden.

Umsatz und EBIT seit 2007: achtmal so groß, doppelt so profitabel

JahrUmsatzEBITEBIT-Marge
200724 Mio. €4 Mio. €17 %
201029 Mio. €7 Mio. €24 %
201336 Mio. €8 Mio. €22 %
201650 Mio. €14 Mio. €28 %
201971 Mio. €19 Mio. €27 %
2022114 Mio. €31 Mio. €27 %
2023151 Mio. €52 Mio. €34 %
2024171 Mio. €63 Mio. €37 %
2025189 Mio. €68 Mio. €36 %
2026 (Prognose)210–215 Mio. € (unteres Ende)–rund 37 %
2027 (Ziel)rund 245 Mio. €––
Quelle: ATOSS, Präsentation zur Hauptversammlung 2026 (gerundet), Neunmonatsbericht 2026.

In 18 Jahren hat sich der Umsatz fast verachtfacht, und die EBIT-Marge ist von 17 % auf 37 % gestiegen. ATOSS ist also nicht nur gewachsen, sondern mit jedem Jahr auch profitabler geworden. Das ist selten – viele Software-Firmen erkaufen sich Wachstum mit sinkenden Margen.

Die Zahlen: 2025 und die ersten neun Monate 2026

KennzahlGeschäftsjahr 20259 Monate 2026Veränderung 9M
Umsatz189,3 Mio. €155,8 Mio. €+12 %
davon Cloud & Abos92,7 Mio. €85,2 Mio. €+26 %
Cloud-Anteil am Umsatz49 %55 %
Wiederkehrende Umsätze131,9 Mio. € (70 %)113,8 Mio. € (73 %)+17 %
Lizenzverkäufe–3,7 Mio. €−39 %
EBIT68,1 Mio. €57,3 Mio. €+19 %
EBIT-Marge36 %37 %
Gewinn je Aktie3,04 €2,45 €+14 %
Operativer Cashflow–75,7 Mio. €+53 %
Mitarbeiter856844−1 %
Quellen: Pressemitteilung Geschäftsjahr 2025 (30.01.2026), Neunmonatsbericht 2026 (23.10.2026).

Bemerkenswert: ATOSS wächst zweistellig, hat aber weniger Mitarbeiter als vor einem Jahr. Das Unternehmen setzt in der Entwicklung verstärkt auf künstliche Intelligenz und hat deshalb die Margenprognose für 2026 zweimal angehoben – von mindestens 32 % über mindestens 34 % auf jetzt rund 37 %. Für 2027 plant ATOSS einen Umsatz von rund 245 Mio. €.

Die Dividende

ATOSS schüttet einen großen Teil des Gewinns aus: 2,28 € je Aktie für 2025 bei einem Gewinn von 3,04 € – eine Ausschüttungsquote von rund 75 %. Die Dividende ist zuletzt um gut 7 % gestiegen. Bei einem Kurs von rund 87 € ergibt das eine Rendite von etwa 2,6 %.

Für Langfrist-Anleger ist ATOSS ein Paradebeispiel für die persönliche Dividendenrendite: Laut DSW-Dividendenstudie 2026 bekommt, wer Ende 2016 gekauft hat, heute 16,5 % Dividende auf seinen Einstandskurs – Platz 3 aller deutschen Aktien.

Warum die Aktie 40 % verloren hat

  • KI-Sorgen in der ganzen Software-Branche: Viele Anleger fürchten, dass künstliche Intelligenz klassische Software-Anbieter angreifbar macht. Software-Aktien wurden deshalb seit 2025 breit abgestraft – ATOSS war davon nicht ausgenommen.
  • Hohe Bewertung als Ausgangspunkt: Beim Hoch von 146 € lag das KGV bei rund 50. Ein Teil des Rückgangs ist schlicht eine Normalisierung.
  • Umsatz am unteren Ende: Nach den Neunmonatszahlen rechnet ATOSS beim Umsatz 2026 nur noch mit dem unteren Ende der Spanne von 210 bis 215 Mio. €, weil klassische Lizenzverkäufe schwächeln. Die Aktie fiel am 23. Oktober um fast 7 %.
  • Wechsel an der Spitze: Mit Gründer Andreas Obereder zieht sich zum Jahreswechsel die prägende Figur aus dem operativen Geschäft zurück.

Wer hinter ATOSS steht

AktionärAnteil
AOB Invest (Gründer Andreas Obereder)ca. 21,6 %
General Atlantic (Finanzinvestor)ca. 21,6 %
Streubesitzrund 57 %
Quelle: ATOSS, Stand nach Privatplatzierung September 2024.

Der Gründer ist also weiterhin stark investiert. Mit General Atlantic sitzt zudem ein erfahrener Wachstumsinvestor mit im Boot.

Branchenvergleich: ATOSS gegen die großen US-Anbieter

Software für Personal und Arbeitszeit ist ein großer Markt, der von US-Konzernen dominiert wird. Wie schlägt sich der Münchner Mittelständler im Vergleich?

FirmaUmsatzWachstumMarge*Dividende
ATOSS0,19 Mrd. €+12 %37 %ja, 2,6 %
Workdayca. 9,9 Mrd. $+13 %12 % (31 %)nein
Paycomca. 2,2 Mrd. $+10 %(44 %)ja
Paylocityca. 1,8 Mrd. $+11 %(37 %)nein
*Marge: ATOSS = EBIT, Workday = operative Marge; in Klammern bereinigte Werte der US-Firmen (Workday: bereinigte operative Marge, Paycom und Paylocity: bereinigtes EBITDA). Bereinigte Margen klammern u. a. Aktienvergütungen aus und fallen deshalb höher aus. Umsatz: ATOSS 2025, Workday Abo-Umsatz GJ 2027e, Paycom 2026e, Paylocity GJ bis 06/2026. Dayforce wurde 2026 für 12,3 Mrd. $ von Thoma Bravo übernommen und ist nicht mehr börsennotiert. Quellen: Quartalsberichte der Unternehmen, Financier Worldwide.

Was der Vergleich zeigt:

  • Wachstum auf Augenhöhe: ATOSS wächst mit rund 12 % ähnlich schnell wie Workday und Paylocity und schneller als Paycom – obwohl die US-Konzerne ein Vielfaches an Geld für Vertrieb und Marketing ausgeben.
  • Marge in der Spitzengruppe: ATOSS erreicht 37 % EBIT ohne Bereinigungen. Workday kommt nach den offiziellen Rechnungsregeln auf knapp 12 %. Nur Paycom ist bei der bereinigten Marge höher.
  • Dividende als Ausnahme: Die meisten US-Anbieter geben ihr Geld lieber für Aktienrückkäufe aus. ATOSS schüttet rund drei Viertel des Gewinns direkt an die Aktionäre aus.
  • Kleiner, aber fokussiert: ATOSS ist rund 50-mal kleiner als Workday. Das ist Risiko und Chance zugleich: weniger Marktmacht, aber viel Platz zum Wachsen – vor allem außerhalb des deutschsprachigen Raums.
  • Übernahmefantasie: Die Dayforce-Übernahme zeigt, dass Finanzinvestoren für Personal-Software Milliarden zahlen. Mit General Atlantic ist bei ATOSS bereits ein großer Investor an Bord.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Für 2026 schätze ich den Gewinn je Aktie auf rund 3,35 € (2,45 € nach neun Monaten plus ein starkes viertes Quartal). Beim aktuellen Kurs ergibt das ein KGV von rund 26 – für Qualität dieser Art nicht billig, aber so günstig wie lange nicht mehr. Für 2027 habe ich drei Szenarien auf Basis des Umsatzziels von 245 Mio. € und einer EBIT-Marge von rund 36 % gerechnet. Daraus ergibt sich ein Gewinn je Aktie von rund 3,90 €.

SzenarioGewinn je Aktie 2027KGVWert Ende 2027
Vorsichtig (KI-Sorgen bleiben)3,90 €22ca. 86 €
Basis3,90 €27ca. 105 €
Optimistisch (alte Bewertung kehrt zurück)3,90 €32ca. 125 €
Eigene Modellrechnung, keine Kursprognose. Dividenden bis Ende 2027 nicht eingerechnet.

Zum Vergleich: Die Analysten von NuWays sehen das Kursziel bei 134 €. Im vorsichtigen Szenario wäre die Aktie bei rund 87 € fair bewertet, im Basisszenario hätte sie gut 20 % Luft nach oben – plus jährlich rund 2,6 % Dividende.

Die Risiken

  • Künstliche Intelligenz: Könnten große KI-Plattformen oder neue Anbieter Dienstpläne künftig billiger erstellen? ATOSS nutzt KI selbst, aber der Wettbewerb kann sich schnell ändern.
  • Bewertung: Ein KGV von über 25 lässt wenig Raum für Enttäuschungen. Schon ein schwächeres Quartal kann den Kurs stark bewegen, wie der 23. Oktober gezeigt hat.
  • Führungswechsel: Der Gründer prägt die Firma seit fast 40 Jahren. Ob der Nachfolger die Erfolgsgeschichte fortschreibt, muss sich zeigen.
  • Abhängigkeit vom deutschsprachigen Markt: Ein großer Teil des Geschäfts kommt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das internationale Wachstum ist noch ausbaufähig.
  • Hohe Ausschüttungsquote: Mit rund 75 % bleibt wenig Spielraum für deutlich schnellere Dividendenerhöhungen als das Gewinnwachstum.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
20 Rekordjahre in FolgeKGV trotz Kursrückgang über 25
37 % EBIT-Marge, schuldenfreiLizenzgeschäft bricht ein
73 % wiederkehrende Umsätze, Cloud +26 %Unsicherheit durch KI
Gründer und Profi-Investor mit je über 20 % an BordGründer zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück
Hohe Ausschüttung, 16,5 % Yield on Cost seit 2016Dividendenrendite nur rund 2,6 %

Mein Fazit

ATOSS ist für mich einer der beeindruckendsten Mittelständler an der deutschen Börse: unbekannt, hochprofitabel, schuldenfrei und mit einem Geschäftsmodell, das jeden Monat zuverlässig Geld einspielt. Dass so ein Unternehmen 2001 weniger wert war als seine Kasse, zeigt, wie sehr sich Geduld lohnen kann.

Die Aktie ist nach dem Rückgang von 40 % so günstig wie seit Jahren nicht – billig ist sie aber nicht. Die entscheidende Frage lautet: Wird KI für ATOSS zur Bedrohung oder zum Werkzeug? Die steigenden Margen sprechen bisher für das Zweite. Ich setze ATOSS auf meine Watchlist und schaue mir an, wie der neue Chef ins Jahr 2027 startet.

Und du? Kanntest du ATOSS – oder arbeitest du vielleicht sogar selbst mit der Software? Schreib es mir in die Kommentare.

Noch ein Hidden Champion

Mensch und Maschine: 6 % Dividende vom Software-Spezialisten

Ebenfalls aus Bayern, ebenfalls gründergeführt – mit deutlich höherer Dividende.

Zur Analyse →

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 25. Oktober 2026. Quellen: Neunmonatsbericht 2026 und Pressemitteilungen der ATOSS Software SE, ATOSS-Präsentation zur Hauptversammlung 2026, DSW-Dividendenstudie 2026, Computerwoche (02.11.2001), boerse.de, ad-hoc-news, Wikipedia, Quartalsberichte von Workday, Paycom und Paylocity, Financier Worldwide. Die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 sind eigene, vereinfachte Berechnungen.

Mensch und Maschine: Der unbekannte Software-Champion mit 6 % Dividende – meine Bewertung

Mensch und Maschine: Der unbekannte Software-Champion mit 6 % Dividende – Dividenden-Regen

Wenn ich nach deutschen Hidden Champions gefragt werde, fällt ein Name fast nie: Mensch und Maschine. Kein Konsumgut, keine bekannte Marke, kein DAX-Konzern. Trotzdem hat die Aktie aus 10.000 € zwischen 2014 und 2021 zeitweise über 85.000 € gemacht – und die Dividende ist in zehn Jahren von 0,20 € auf 2,00 € je Aktie gestiegen. Seit dem Hoch hat die Aktie allerdings rund die Hälfte verloren. Genau deshalb habe ich sie mir jetzt genauer angesehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenMensch und Maschine Software SE (WKN 658080, Kürzel MUM)
SitzWeßling (Oberbayern), gegründet 1984
Aktienkursrund 33 € (Stand: 21. Oktober 2026)
Börsenwertknapp 0,6 Mrd. € (rund 17,2 Mio. Aktien)
Dividende2,00 € für 2025 – geplant 2,20 bis 2,40 € für 2026
Dividendenrenditerund 6 %
Gewinn je Aktie 2026 (Prognose)2,11 bis 2,26 €
KGV 2026rund 15
GroßaktionärGründer Adi Drotleff mit rund 47 %
Quellen: Unternehmensangaben, Halbjahres- und Neunmonatsbericht 2026, FAZ-Unternehmergespräch 09/2024. Eigene Berechnungen.

Was macht Mensch und Maschine?

Mensch und Maschine entwickelt und verkauft Software, mit der Ingenieure, Maschinenbauer und Bauplaner arbeiten: CAD (Konstruktion), CAM (Fertigung) und BIM (digitales Planen von Gebäuden und Bauwerken). Das Unternehmen hat über 1.000 Mitarbeiter, mehr als 30.000 Kunden und rund 75 Standorte in 22 Ländern. Etwa 60 % des Umsatzes kommen aus dem deutschsprachigen Raum.

Das Geschäft besteht aus zwei Teilen:

  • MuM-Software (eigene Produkte): Das Herzstück ist die Tochter OPEN MIND mit der CAM-Software hyperMILL. Damit werden Fräs- und Drehmaschinen programmiert, vor allem für anspruchsvolle 5-Achs-Bearbeitung im Werkzeug-, Formen- und Maschinenbau. Dazu kommt SOFiSTiK, eine Software für Statik und BIM im Brücken- und Tunnelbau. Dieser Bereich ist hochprofitabel und wächst.
  • Digitalisierung (Beratung und Vertrieb): Hier verkauft und betreut MuM vor allem Software von Autodesk und passt sie an Kundenprojekte an. Mensch und Maschine ist einer der größten Autodesk-Partner in Europa.

Spannend ist die Entwicklung: 2001 kamen noch über 75 % der Wertschöpfung aus dem Weiterverkauf von Autodesk-Produkten. Heute stammt der Großteil aus eigener Software – im ersten Halbjahr 2026 waren es fast 83 % des Rohertrags. Aus einem Händler ist ein Software-Hersteller geworden.

Warum ich von einem Hidden Champion spreche

  • Nischen-Weltklasse: hyperMILL gehört zu den führenden CAM-Programmen für die 5-Achs-Fertigung. OPEN MIND hat nach eigenen Angaben über 10.000 Kunden und mehr als 400 Mitarbeiter, davon über 90 in der Entwicklung.
  • Hohe Wechselkosten: Wer seine Maschinen und Mitarbeiter auf eine CAM-Software eingestellt hat, wechselt nicht leichtfertig. Das sorgt für treue Kunden und wiederkehrende Einnahmen.
  • Gründer an Bord: Adi Drotleff hat das Unternehmen 1984 gegründet und hält bis heute rund 47 %. Zusammen mit dem Management liegen gut 55 % in festen Händen. Sein Motto: lieber „den Ball flacher halten“ und langfristig denken.
  • Kaum bekannt: Nur rund 45 % der Aktien sind im Streubesitz, die Marktkapitalisierung ist klein. Große Fonds schauen hier selten hin – für Privatanleger kann genau das eine Chance sein.

Die Dividende: verzehnfacht in zehn Jahren

GeschäftsjahrDividende je Aktie
2014 (gezahlt 2015)0,20 €
20221,40 €
20231,65 €
20241,85 €
20252,00 €
2026 (geplant)2,20 bis 2,40 €
Quellen: Unternehmensangaben, SMC Research. Ausschüttung jeweils im Folgejahr nach der Hauptversammlung.

Das ist ein Dividendenwachstum von rund 25 % pro Jahr. Ein Detail, das viele übersehen: Von der Dividende für 2025 stammt 1,00 € aus dem steuerlichen Einlagekonto. Dieser Teil wird zunächst ohne Abzug von Abgeltungsteuer ausgezahlt (er mindert allerdings deinen steuerlichen Einstandskurs). Für meine persönliche Dividendenrendite heißt das: Wer 2014 für 7,75 € eingestiegen ist, bekommt heute über 25 % Dividende auf seinen Kaufkurs.

Warum die Aktie gefallen ist

2021 notierte die Aktie bei rund 66 €, heute sind es rund 33 €. Der Hauptgrund heißt Autodesk. Der US-Konzern hat sein Vertriebsmodell umgestellt: MuM verkauft Autodesk-Software nicht mehr als Händler, sondern bekommt eine Provision. Außerdem laufen die früher üblichen Dreijahresverträge aus.

  • Der Umsatz sieht dadurch kleiner aus, obwohl das Geschäft nicht geschrumpft ist – es fällt nur der reine Durchlauf-Umsatz weg. Die EBIT-Marge ist von 14,3 % auf 20,6 % gestiegen.
  • Im Digitalisierungsgeschäft fehlt 2026 Ertrag: In den ersten neun Monaten fiel der Rohertrag dort um 12,5 %. Dadurch sank der Gewinn je Aktie leicht von 1,45 € auf 1,42 €.
  • Gleichzeitig wächst die eigene Software weiter: Rohertrag +8,5 % in neun Monaten, im Halbjahr ein EBIT-Plus von 19 %. Der operative Cashflow stieg um fast 67 %.

Laut Unternehmen ist im vierten Quartal kaum noch mit Gegenwind durch Autodesk zu rechnen und ab 2027 gar nicht mehr. Die Jahresprognose von 2,11 bis 2,26 € Gewinn je Aktie wurde bestätigt, das Management hält die untere Hälfte für erreichbar.

Das große Ziel: Gewinn verdoppeln bis 2030

Mensch und Maschine will den Gewinn je Aktie bis 2030 gegenüber 2025 verdoppeln – auf über 3,80 €. Das entspricht rund 15 % Gewinnwachstum pro Jahr. Erreicht werden soll das vor allem über ein Rohertragswachstum von etwa 8 % pro Jahr und eine steigende Marge. Ob das klappt, ist natürlich offen. Die Vergangenheit macht aber Mut: Der Gewinn je Aktie ist im letzten Jahrzehnt im Schnitt deutlich zweistellig gewachsen.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Ich habe drei einfache Szenarien gerechnet. Grundlage ist der Gewinn je Aktie im Jahr 2030 mal einem angemessenen KGV, abgezinst mit 8 % pro Jahr auf heute. Die Dividenden bis dahin sind nicht eingerechnet – sie kämen noch obendrauf.

SzenarioGewinn je Aktie 2030KGVKurs 2030Fairer Wert heute
Vorsichtig3,00 €1442 €ca. 31 €
Basis (Ziel erreicht)3,80 €1557 €ca. 42 €
Optimistisch3,80 €1868 €ca. 50 €
Eigene Modellrechnung, Abzinsung über 4 Jahre mit 8 % p. a. Keine Kursprognose.

Zum Vergleich die Analysten: Berenberg sieht den fairen Wert bei 37 € (Halten), die DZ Bank bei 54 € (Kaufen). Beim aktuellen Kurs von rund 33 € preist die Börse also eher das vorsichtige Szenario ein. Dazu kommen jedes Jahr rund 6 % Dividende.

Die Risiken

  • Abhängigkeit von Autodesk: Ändert der Partner erneut seine Konditionen, trifft das MuM direkt. Diese Abhängigkeit ist zwar kleiner geworden, aber nicht verschwunden.
  • Ausschüttung über dem Gewinn: 2,00 € Dividende bei 1,91 € Gewinn je Aktie für 2025 – die Ausschüttungsquote liegt über 100 %. Gedeckt ist das durch den Cashflow, aber auf Dauer muss der Gewinn wieder vor der Dividende liegen. Das ist ein klassisches Warnsignal, das ich im Auge behalte.
  • Konjunktur im Maschinenbau: Wenn die Industrie weniger investiert, kaufen Kunden weniger neue Software-Lizenzen.
  • Nebenwert: Geringer Streubesitz und kleine Börsenumsätze können zu starken Kursschwankungen führen.
  • Abhängigkeit vom Gründer: Adi Drotleff ist Jahrgang 1953. Die Nachfolge an der Spitze wird früher oder später ein Thema.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
Eigene Weltklasse-Software (hyperMILL) in einer NischeAutodesk bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Gründer mit 47 % Anteil, langfristiges DenkenAusschüttungsquote derzeit über 100 %
Dividende in zehn Jahren verzehnfachtGewinn 2026 bisher leicht unter Vorjahr
Rund 6 % Dividendenrendite, teils steuerfreiKleiner Nebenwert, schwankungsanfällig
Klares Ziel: Gewinnverdopplung bis 2030Abhängig von der Investitionslust der Industrie

Mein Fazit

Mensch und Maschine ist für mich ein echter Hidden Champion: unbekannt, gründergeführt, mit eigener Software, die in ihrer Nische zur Weltspitze gehört – und mit einer Dividendenhistorie, von der viele DAX-Konzerne nur träumen. Der Kursrutsch hat vor allem mit der Umstellung bei Autodesk zu tun, nicht mit einem Problem im eigenen Software-Geschäft. Das wächst weiter.

Entscheidend wird das vierte Quartal 2026 und vor allem 2027, wenn der Autodesk-Effekt wegfällt. Zeigt sich dann das angekündigte Gewinnwachstum, ist die Aktie bei rund 33 € aus meiner Sicht günstig bewertet. Bleibt es aus, wird die Dividende auf Dauer schwer zu halten sein. Ich setze Mensch und Maschine deshalb ganz oben auf meine Watchlist und schaue mir die Jahreszahlen im Frühjahr 2027 genau an.

Und du? Kanntest du Mensch und Maschine schon – oder hast du einen anderen Hidden Champion im Depot? Schreib es mir in die Kommentare.

Selbst nachrechnen

Was bringt dir eine Aktie mit 6 % Dividende?

Gib Depotwert und Rendite ein und sieh sofort, was monatlich ankommt.

Zum Dividenden-Rechner →

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 24. Oktober 2026. Quellen: Halbjahres- und Neunmonatsbericht 2026 der Mensch und Maschine Software SE, 4investors, goldesel.de, SMC Research, FAZ-Unternehmergespräch 09/2024, OPEN MIND Technologies.