Bei modernen PET-Untersuchungen auf Prostatakrebs steckt oft Technik eines Berliner Unternehmens dahinter, von dem kaum jemand gehört hat: Eckert & Ziegler. Die Firma stellt radioaktive Isotope und Strahlenquellen her – für Krebsdiagnose, Krebstherapie und die Industrie. Die Aktie hat eine wilde Geschichte hinter sich: minus 93 % nach dem Neuen Markt, dann eine Verzehnfachung in drei Jahren. Heute liegt sie wieder rund 25 % unter dem Vorjahresniveau. Hidden Champion #3 im Check.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Unternehmen | Eckert & Ziegler SE (WKN 565970, ISIN DE0005659700) |
| Sitz | Berlin-Buch, gegründet 1992 |
| Index | SDAX |
| Aktienkurs | rund 13 € (Stand: 25. Oktober 2026) |
| 52-Wochen-Spanne | 12,00 € bis 17,39 € |
| Börsenwert | rund 0,8 Mrd. € (ca. 63 Mio. Aktien) |
| Umsatz 2025 | 312 Mio. € (Rekord) |
| Dividende | 0,22 € für 2025 (+29 %), Rendite rund 1,7 % |
| KGV | rund 17 (auf Gewinn 2025), rund 15 (2026e) |
| Netto-Cash | rund 108 Mio. € (ohne Leasing, März 2026) |
| Mitarbeiter | über 1.000 |
Was macht Eckert & Ziegler?
Eckert & Ziegler arbeitet mit Radioaktivität – aber nicht mit Kernkraft, sondern mit winzigen Mengen radioaktiver Stoffe für Medizin und Industrie. Das Geschäft hat zwei Säulen:
- Medical (171 Mio. € Umsatz 2025, +15 %): Pharmazeutische Radioisotope und Generatoren für die Nuklearmedizin. Ein Beispiel ist GalliaPharm, ein Gallium-68-Generator, mit dem Kliniken Substanzen für PET-Untersuchungen herstellen – etwa um Prostatakrebs sichtbar zu machen. In Japan übernimmt Novartis den Vertrieb. Dazu kommen Isotope wie Lutetium-177, die in neuen Krebstherapien eingesetzt werden, bei denen radioaktive Wirkstoffe gezielt Tumorzellen zerstören.
- Isotope Products (150 Mio. € Umsatz 2025, −5 %): Strahlenquellen für die Industrie – zum Beispiel zum Kalibrieren von Messgeräten, für die Prüfung von Schweißnähten an Pipelines oder für medizinische Bildgebungsgeräte. Dazu kommen Recycling und Entsorgung radioaktiver Materialien.
Der Markt für Nuklearmedizin könnte laut Marktforschern bis 2030 um rund 11 % pro Jahr wachsen. Der Umsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen ist bei Eckert & Ziegler von 18,5 Mio. € im Jahr 2017 auf über 115 Mio. € gestiegen.
Warum Eckert & Ziegler ein Hidden Champion ist
- Extrem hohe Eintrittsbarrieren: Wer mit radioaktiven Stoffen arbeitet, braucht Genehmigungen, Spezial-Labore, Transportlizenzen und Arzneimittelzulassungen. Neue Wettbewerber tun sich entsprechend schwer.
- Breitestes Angebot: Analysten bezeichnen Eckert & Ziegler als Marktführer mit dem breitesten Portfolio an radioaktiven Produkten und Dienstleistungen.
- „Schaufel-Verkäufer“ im Radiopharma-Boom: Egal, welcher Pharmakonzern die nächste Krebstherapie mit radioaktiven Wirkstoffen auf den Markt bringt – er braucht Isotope und Generatoren. Eckert & Ziegler verdient mit, ohne das Risiko einer einzelnen Medikamentenentwicklung zu tragen.
- Solide Bilanz: Netto rund 108 Mio. € mehr Cash als Schulden (ohne Leasing).
- Gründer an Bord: Mitgründer Dr. Andreas Eckert führte das Unternehmen bis 2023, steht heute an der Spitze des Aufsichtsgremiums und ist größter Aktionär.
Die Geschichte: vom Recycling zur Krebstherapie
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1992 | Dr. Andreas Eckert und Jürgen Ziegler gründen in Berlin die BEBIG GmbH – zunächst für das Recycling radioaktiver Materialien und Strahlenquellen |
| 1997 | Umwandlung in die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG |
| 1999 | Börsengang am Neuen Markt, Übernahme von Isotope Products Laboratories (USA) |
| 2000 | Kauf des Quellen-Geschäfts von DuPont – der Marktanteil bei nuklearmedizinischen Referenzquellen steigt von 30 % auf über 65 % |
| 2000–2009 | Nach dem Dotcom-Hype fällt die Aktie um rund 93 % |
| 2009 | Übernahme der Nuclitec GmbH (Braunschweig) |
| 2017–2020 | Radiopharma-Boom: Die Aktie verzehnfacht sich in rund drei Jahren, 2020 Aktiensplit |
| 2022 | Übernahme von Tecnonuclear (Argentinien) – Ausbau in Südamerika |
| 2025 | Rekordjahr mit 312 Mio. € Umsatz, Zulassung von GalliaPharm in Japan (Vertrieb: Novartis) |
| 2026 | Prognose: rund 320 Mio. € Umsatz und rund 80 Mio. € bereinigtes EBIT |
Die Zahlen seit 2020
| Jahr | Umsatz | EBIT | Gewinn je Aktie | Dividende |
|---|---|---|---|---|
| 2020 | 176 Mio. € | 34 Mio. € | 0,37 € | 0,15 € |
| 2021 | 180 Mio. € | 47 Mio. € | 0,55 € | 0,17 € |
| 2022 | 222 Mio. € | 45 Mio. € | 0,47 € | 0,17 € |
| 2023 | 246 Mio. € | 45 Mio. € | 0,42 € | – |
| 2024 | 296 Mio. € | 60 Mio. € | 0,53 € | 0,17 € |
| 2025 | 312 Mio. € | 74 Mio. € | 0,78 € | 0,22 € |
| 2026 (Prognose) | rund 320 Mio. € | rund 80 Mio. € (bereinigt) | ca. 0,87 € (Schätzung) | – |
Seit 2020 ist der Umsatz um fast 80 % gewachsen, der Gewinn je Aktie hat sich mehr als verdoppelt. 2025 stieg der Jahresüberschuss um 46 % auf 48,8 Mio. €, die bereinigte EBIT-Marge kletterte auf rund 25 %.
Warum die Aktie schwächelt
- Schwaches erstes Halbjahr 2026: Der Umsatz lag mit 149,3 Mio. € nur auf Vorjahresniveau, das bereinigte EBIT fiel um knapp 6 % auf 33,3 Mio. €. Grund: Im Vorjahr gab es einmalige Lizenzeinnahmen, die 2026 bisher fehlen. Der Nettogewinn stieg trotzdem um 5 %.
- Schwaches Industriegeschäft: Der Bereich Isotope Products schrumpfte 2025 um 5 %, unter anderem wegen Projektverzögerungen nach einem Cyberangriff.
- Starker Euro: Ein großer Teil des Geschäfts läuft in US-Dollar. Ein schwächerer Dollar drückt die Zahlen in Euro.
- Hohe Erwartungen: Für die Jahresprognose von 80 Mio. € bereinigtem EBIT braucht Eckert & Ziegler ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr.
Branchenvergleich: Radiopharma ist ein Übernahme-Markt
| Firma | Umsatz | Wachstum | Marge* | Dividende |
|---|---|---|---|---|
| Eckert & Ziegler | 0,31 Mrd. € | +5 % | 25 % | ja, 1,7 % |
| Lantheus (USA) | ca. 1,5 Mrd. $ | +3 % | 26 % | nein |
| Telix (Australien) | ca. 0,96 Mrd. $ | +22 % | niedrig | nein |
| Curium (Frankreich) | nicht börsennotiert – übernimmt 2026 Lantheus für bis zu 8 Mrd. $ | |||
Der Vergleich zeigt zweierlei: Eckert & Ziegler ist deutlich kleiner als die Konkurrenz, aber ähnlich profitabel wie Lantheus und als einziger der Gruppe ein Dividendenzahler. Vor allem aber ist Radiopharma ein Markt, in dem kräftig zugekauft wird. Im August 2026 hat Curium die Übernahme von Lantheus für bis zu 114,50 $ je Aktie vereinbart – insgesamt bis zu 8 Mrd. $. Pharmakonzerne wie Novartis haben in den letzten Jahren ebenfalls Milliarden in Radiopharma-Firmen investiert. Mit rund 0,8 Mrd. € Börsenwert wäre Eckert & Ziegler für große Käufer ein vergleichsweise kleiner Brocken.
Die Dividende
Für 2025 zahlt Eckert & Ziegler 0,22 € je Aktie – 29 % mehr als im Vorjahr. Bei einem Kurs von rund 13 € sind das etwa 1,7 % Rendite. Die Ausschüttungsquote liegt mit rund 28 % des Gewinns niedrig. Das Unternehmen investiert den Großteil lieber in Wachstum und Zukäufe. Für reine Dividendenjäger ist die Aktie deshalb nichts – für Anleger, die auf steigende Dividenden und eine wachsende persönliche Dividendenrendite setzen, schon eher.
Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?
Für 2026 rechne ich mit einem Gewinn je Aktie von rund 0,87 €, für 2027 mit rund 1,00 €, wenn das Medical-Geschäft weiter zweistellig wächst. Daraus ergeben sich drei Szenarien:
| Szenario | Gewinn je Aktie 2027 | KGV | Wert Ende 2027 |
|---|---|---|---|
| Vorsichtig | 0,90 € | 15 | ca. 13,50 € |
| Basis | 1,00 € | 20 | ca. 20 € |
| Optimistisch (Radiopharma-Boom) | 1,10 € | 25 | ca. 27,50 € |
Zum Vergleich: Metzler sieht das Kursziel bei 21 €, eine weitere Analyse bei 21,50 €. Im Basisszenario hätte die Aktie bei rund 13 € gut 50 % Luft nach oben. Im vorsichtigen Szenario ist der heutige Kurs ungefähr fair.
Die Risiken
- Regulierung und Lieferketten: Radioaktive Stoffe unterliegen strengen Auflagen. Ausfälle bei Reaktoren oder Lieferanten können die Produktion bremsen.
- Schwankende Ergebnisse: Einmalige Lizenzeinnahmen machen die Zahlen von Jahr zu Jahr unruhig – das zeigt das erste Halbjahr 2026.
- Wechselkurse: Viel Umsatz in US-Dollar, viele Kosten in Euro.
- Starke Konkurrenz: Große Pharmakonzerne und Spezialisten wie Curium investieren Milliarden und könnten eigene Lieferketten aufbauen.
- Cyber-Risiko: Der Cyberangriff 2025 hat gezeigt, wie verwundbar die Produktion ist.
Stärken und Schwächen im Überblick
| Das gefällt mir | Das stört mich |
|---|---|
| Hohe Eintrittsbarrieren durch Strahlenschutz und Zulassungen | Erstes Halbjahr 2026 ohne Wachstum |
| Profitiert vom Radiopharma-Boom | Industriegeschäft schrumpft |
| Netto-Cash, solide Bilanz | Dividendenrendite nur rund 1,7 % |
| Übernahmefantasie in der Branche | Dollar-Abhängigkeit |
| KGV um 15 für 2026 | Ergebnisse schwanken durch Einmaleffekte |
Mein Fazit
Eckert & Ziegler ist ein echter Nischen-Champion: ein Geschäft, das kaum jemand nachmachen kann, mitten in einem der spannendsten Wachstumsmärkte der Medizin. Die Aktie hat ihren Hype hinter sich und ist mit einem KGV von rund 15 für 2026 vernünftig bewertet. Kurzfristig muss das Unternehmen beweisen, dass das zweite Halbjahr die Jahresprognose rettet.
Für ein reines Dividendendepot ist die Rendite zu niedrig. Als Beimischung für Wachstum mit wachsender Dividende – und mit einer Prise Übernahmefantasie – finde ich Eckert & Ziegler aber spannend. Ich setze die Aktie auf meine Watchlist und schaue mir die Zahlen zum dritten Quartal genau an.
Und du? Kanntest du Eckert & Ziegler – und glaubst du an den Radiopharma-Boom? Schreib es mir in die Kommentare.
Woche der Hidden Champions
Noch mehr unbekannte Champions
Mensch und Maschine: 6 % Dividende vom Software-Spezialisten aus Bayern.
Zur Analyse →Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 25. Oktober 2026. Quellen: Eckert & Ziegler (Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026, Dividende), boersengefluester.de, boerse-express.com, ad-hoc-news, roic.ai, BCC Research, Heavy Moat Investments, Quartalsberichte von Lantheus und Telix. Die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 sind eigene, vereinfachte Berechnungen.

