Belimo: Der Schweizer Weltmarktführer, der vom KI-Boom profitiert – und den kaum jemand kennt

Schau mal an die Decke deines Büros, ins Krankenhaus oder ins Hotel: Irgendwo dort steuert ein kleiner Motor eine Lüftungsklappe oder ein Ventil regelt, wie viel warmes oder kaltes Wasser durch die Leitungen fließt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dieses Bauteil von Belimo stammt. Die Firma aus Hinwil bei Zürich ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Feldgeräte in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen. Und sie hat einen neuen Wachstumsmotor gefunden: die Kühlung von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Hidden Champion #5 im Check.

Das Wichtigste auf einen Blick

UnternehmenBelimo Holding AG (WKN A3CUQD, ISIN CH1101098163)
SitzHinwil (Schweiz), gegründet 1975
BörseSIX Swiss Exchange seit 1995, in Deutschland handelbar
Aktienkursrund 780 CHF bzw. rund 830 € (26./27. Oktober 2026)
52-Wochen-Hoch1.062 € – die Aktie liegt rund 22 % darunter
Börsenwertrund 9,6 Mrd. CHF (rund 10,3 Mrd. €)
Umsatz 20251.121 Mio. CHF (+23 % in lokalen Währungen)
EBIT-Marge 202520,8 %
Dividende10,00 CHF für 2025, Rendite rund 1,3 %
KGVrund 53 (auf Gewinn je Aktie 2025 von 14,77 CHF)
Quellen: Belimo (Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026), cash.ch, boerse-express. Börsenwert und KGV: eigene Berechnung.

Was macht Belimo?

Belimo baut die kleinen, aber entscheidenden Teile, die eine Klimaanlage erst steuerbar machen. Das Motto der Firma: „Kleine Geräte, große Wirkung“. Der Umsatz 2025 verteilt sich so:

  • Ventile (53 %): Regelventile steuern, wie viel Wasser durch Heiz- und Kühlkreisläufe fließt. Genau diese Ventile werden in Rechenzentren gebraucht, wo Server mit Wasser gekühlt werden.
  • Klappenantriebe (42 %): kleine Motoren, die Lüftungsklappen öffnen und schließen – auch für den Brandschutz, wo im Ernstfall Rauch gestoppt werden muss.
  • Sensoren und Zähler (5 %): messen Temperatur, Luftqualität und Energieverbrauch.

Belimo verkauft in über 80 Länder. Den größten Anteil hat inzwischen Amerika mit 49 % des Umsatzes, vor Europa, Nahost und Afrika (38 %) und Asien-Pazifik (13 %). Rund 2.900 Mitarbeiter arbeiten für die Firma.

Die Geschichte: vier Kollegen und eine Idee

JahrMeilenstein
1975Walter Burkhalter, Heinz Hutte, Walter Linsi und Karl Stocker gründen Belimo in Gossau bei Zürich – die vier hatten zuvor gemeinsam bei einer Stuttgarter Firma gearbeitet
1976Die ersten Klappenantriebe werden ausgeliefert
1977Erste Vertriebsgesellschaft im Ausland – in Stuttgart
1989Start in den USA, dem heute wichtigsten Markt
1995Börsengang an der Schweizer Börse
2002Umzug in die neue Zentrale in Hinwil
2017Erste internetfähige Geräte für die Gebäudesteuerung
202550 Jahre Belimo – erstmals über 1 Mrd. CHF Umsatz
2026Ausbau der Werke in den USA, Wachstum von fast 30 % im ersten Halbjahr
Quellen: Belimo Unternehmenspräsentation 2026, Wikipedia, Belimo Geschäftsjahr 2025.

Präsident des Verwaltungsrats ist heute Patrick Burkhalter, CEO ist Lars van der Haegen. Viele Mitarbeiter sind über vergünstigte Mitarbeiteraktien selbst am Unternehmen beteiligt.

Die Zahlen: 20 Jahre Wachstum

JahrUmsatzVeränderung
2005280 Mio. CHF–
2010426 Mio. CHF+52 % in 5 Jahren
2015493 Mio. CHF+16 % in 5 Jahren
2020661 Mio. CHF+34 % in 5 Jahren
2023859 Mio. CHF+30 % in 3 Jahren
2024944 Mio. CHF+10 %
20251.121 Mio. CHF+19 % (+23 % in lokalen Währungen)
H1 2026676 Mio. CHF+20 % (+30 % in lokalen Währungen)
Quellen: Belimo Unternehmenspräsentation 2026, Geschäftsjahr 2025, Halbjahr 2026. Veränderungen: eigene Berechnung.

In 20 Jahren hat Belimo den Umsatz vervierfacht. Rückgänge gab es nur selten und dann leicht – etwa in der Finanzkrise 2009 und im Corona-Jahr 2020. 2025 stieg der Betriebsgewinn (EBIT) um 29 % auf 232,9 Mio. CHF, der Gewinn je Aktie um 24 % auf 14,77 CHF. Die Eigenkapitalrendite lag bei starken 30 %.

Im ersten Halbjahr 2026 ging es noch schneller: +30 % Umsatz in lokalen Währungen, in Asien sogar +58 % und in Amerika +35 %. Die EBIT-Marge lag bei 22,5 %. Für das Gesamtjahr erwartet Belimo ein Wachstum im mittleren zweistelligen Prozentbereich und eine EBIT-Marge von über 20 %.

Der KI-Boom: Warum Rechenzentren Belimo brauchen

KI-Server werden extrem heiß. Moderne Rechenzentren kühlen sie deshalb zunehmend mit Wasser statt nur mit Luft – und dafür braucht es präzise Ventile und Antriebe. 2025 kam knapp die Hälfte des gesamten Umsatzwachstums von Belimo aus der Kühlung von Rechenzentren, im ersten Halbjahr 2026 sogar etwas mehr als die Hälfte. Belimo baut deshalb die Werke in Danbury (Connecticut) und Sparks (Nevada) aus.

Das Schöne daran: Das klassische Gebäudegeschäft läuft weiter. Jedes Bürogebäude, jede Klinik und jede Schule, die energieeffizient saniert wird, braucht neue Ventile und Antriebe. Belimo hat damit zwei Wachstumsmotoren – einen schnellen und einen stabilen.

Die Dividende

Gezahlt2016201820202022202420252026
CHF3,254,257,508,508,509,5010,00
Quelle: divvydiary.com. Werte je Aktie, an den Aktiensplit angepasst. Die Dividende wurde in diesem Zeitraum nie gekürzt.

Die Dividende hat sich in zehn Jahren gut verdreifacht. Belimo schüttet rund zwei Drittel des Gewinns aus. Die Rendite ist mit rund 1,3 % niedrig – das liegt am hohen Aktienkurs, nicht an einer geizigen Firma. Zuletzt hat Belimo die Dividende nur leicht erhöht, weil viel Geld in den Ausbau der Werke fließt.

Wichtig für deutsche Anleger: Die Schweiz behält 35 % Quellensteuer ein. 15 % werden auf die deutsche Steuer angerechnet, die restlichen 20 % musst du dir mit einem Antrag in der Schweiz zurückholen. Sonst wird die Dividende doppelt besteuert.

Warum die Aktie 22 % unter dem Hoch liegt

  • Hohe Bewertung: Im Sommer 2026 hat Jefferies die Aktie auf „Halten“ abgestuft – die Bewertung nähere sich historischen Spitzenwerten.
  • Langsameres zweites Halbjahr: Belimo selbst erwartet, dass das Wachstum nachlässt, weil das Vorjahr stärker war und Preiserhöhungen auslaufen.
  • Weniger freier Cashflow: Durch die hohen Investitionen in neue Werke sank der freie Cashflow 2025 um 26 %.
  • Starker Franken: Die Währung drückt die Zahlen in Franken und die Marge.

Die Analysten sind gespalten. Im Oktober 2026 hat die UBS die Aktie auf „Kaufen“ hochgestuft (Kursziel 900 CHF). Sie erwartet bis 2030 rund 12 % Wachstum pro Jahr und eine steigende EBIT-Marge von über 25 %.

Branchenvergleich

FirmaUmsatzWachstumMarge
Belimo0,7 Mrd. CHF+30 %22,5 %
Siemens Smart Infrastructure6,4 Mrd. €+13 %20,0 %
Johnson Controls (USA)6,6 Mrd. $+10 %19,8 %
Belimo: Halbjahr 2026, Wachstum in lokalen Währungen, EBIT-Marge. Siemens SI: Quartal April–Juni 2026, Umsatzwachstum und Ergebnismarge. Johnson Controls: Quartal April–Juni 2026, organisches Wachstum und bereinigte Segment-EBITA-Marge. Die Kennzahlen sind nicht völlig vergleichbar.

Siemens und Johnson Controls sind Gebäudetechnik-Riesen, die ganze Anlagen und Steuerungen verkaufen. Belimo ist viel kleiner, wächst aber derzeit mehr als doppelt so schnell und verdient die höhere Marge. Der Vorteil der Spezialisierung: Belimo konzentriert sich nur auf seine Nische und ist dort führend.

Meine Bewertung: Was ist die Aktie wert?

Im ersten Halbjahr 2026 hat Belimo 10,15 CHF je Aktie verdient. Da das zweite Halbjahr schwächer wachsen soll, rechne ich für 2026 mit rund 19 bis 20 CHF und für 2027 mit rund 22 CHF Gewinn je Aktie. Drei Szenarien:

SzenarioGewinn je Aktie 2027KGVWert Ende 2027
Vorsichtig (Rechenzentren-Flaute)19 CHF30ca. 570 CHF
Basis22 CHF40ca. 880 CHF
Optimistisch (KI-Boom hält an)24 CHF45ca. 1.080 CHF
Eigene Modellrechnung, keine Kursprognose. Dividenden nicht eingerechnet.

Im Basisszenario hätte die Aktie bei rund 780 CHF etwa 13 % Luft nach oben. Das zeigt aber auch: Belimo ist keine billige Aktie. Läuft der Rechenzentren-Boom aus, kann die Aktie deutlich fallen, auch wenn das Geschäft gut weiterläuft.

Die Risiken

  • Hohe Bewertung: Ein KGV von rund 53 auf den Gewinn 2025 lässt wenig Raum für Enttäuschungen.
  • Abhängigkeit vom Rechenzentren-Boom: Ein großer Teil des aktuellen Wachstums kommt aus einem Markt, der zyklisch sein kann.
  • Bauwirtschaft in Europa: Für Deutschland erwartet Belimo keine spürbare Erholung.
  • Währung: Als Schweizer Firma mit fast der Hälfte des Umsatzes in Amerika leidet Belimo unter einem schwachen Dollar.
  • Quellensteuer: Für deutsche Anleger ist die Dividende umständlicher als bei deutschen Aktien.

Stärken und Schwächen im Überblick

Das gefällt mirDas stört mich
Weltmarktführer in seiner NischeSehr hohe Bewertung
Umsatz in 20 Jahren vervierfachtDividendenrendite nur rund 1,3 %
Zwei Wachstumsmotoren: Gebäude und RechenzentrenSchweizer Quellensteuer
Eigenkapitalrendite rund 30 %, kaum SchuldenFreier Cashflow durch Investitionen gesunken
Dividende in zehn Jahren verdreifachtAbhängig von Dollar und Franken

Mein Fazit

Belimo ist ein Musterbeispiel für einen Hidden Champion: Ein Produkt, das niemand bemerkt, das aber in fast jedem modernen Gebäude steckt – und eine Firma, die seit 50 Jahren still und konsequent wächst. Mit dem KI-Boom hat Belimo einen zusätzlichen Turbo bekommen.

Der Haken ist der Preis. Auch nach dem Rückgang um rund 22 % ist die Aktie teuer. Für mich ist Belimo eine Qualitätsaktie für die Watchlist, bei der ich auf Rücksetzer warten würde – nicht unbedingt ein Kauf um jeden Preis.

Und du? Würdest du für so viel Qualität ein KGV von über 50 zahlen – oder wartest du auf einen günstigeren Einstieg? Schreib es mir in die Kommentare.

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Zur Analyse →

Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 27. Oktober 2026. Quellen: Belimo (Geschäftsjahr 2025 vom 23.02.2026, Halbjahr 2026, Unternehmenspräsentation 2026), Siemens (Q3 2026), Johnson Controls (Q3 2026), cash.ch, boerse-express, goldesel.de (UBS, Jefferies), divvydiary.com, Wikipedia. Die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 sind eigene, vereinfachte Berechnungen.

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