Mercedes-Benz-Aktie: Schnäppchen oder Dividendenfalle? Die große Analyse

Über 8 Prozent Dividendenrendite, ein KGV unter 8 und ein Kurs, der seit Jahresbeginn rund ein Drittel verloren hat. Auf den ersten Blick schreit die Mercedes-Benz-Aktie nach Schnäppchen. Aber billig ist eine Aktie meistens aus einem Grund.

In meinem Beitrag zur Mercedes-Benz-Dividende ging es vor allem um die Ausschüttung. Hier schaue ich mir das ganze Unternehmen an: Geschäftsmodell, aktuelle Zahlen, das China-Problem, die Bilanz und die Frage, wie sicher die Dividende wirklich ist.

Mercedes-Benz auf einen Blick

Aktienkursrund 41 €
Seit Jahresbeginnetwa −32 %
52-Wochen-Spanne38,96 € bis 61,64 €
Dividende je Aktie (2026)3,50 € (Vorjahr 4,30 €)
Dividendenrenditeca. 8,5 %
KGV (auf Basis 2025)ca. 7,7
Ausschüttungsquote 202566 %
Industrielle Netto-Liquidität30,4 Mrd. € (Ende Juni 2026)
Mein Dividenden-Score77 von 100
Kurs und Rendite Stand 20. Oktober 2026.

Das Geschäftsmodell: drei Säulen und eine Beteiligung

Mercedes-Benz ist mehr als nur Pkw. Das Geschäft besteht aus drei Bereichen:

  • Mercedes-Benz Cars: das Kerngeschäft mit Pkw, von der A-Klasse über die C- und E-Klasse bis zu S-Klasse, AMG und Maybach. Hier entscheidet sich, ob Mercedes ein gutes oder ein schlechtes Jahr hat.
  • Mercedes-Benz Vans: Transporter wie Sprinter und Vito. Weniger glamourös, aber im Moment die profitabelste Sparte.
  • Mercedes-Benz Mobility (Financial Services): Leasing und Finanzierung. Sie bringt verlässliche Erträge und bindet Kunden an die Marke.

Dazu kommt eine Beteiligung von 34,8 Prozent an Daimler Truck. Im Juli 2026 hat Mercedes einen kleinen Teil davon für rund 0,6 Milliarden Euro verkauft. Diese Beteiligung ist eine stille Reserve, die im Kurs oft untergeht.

2025: Das Jahr, in dem der Gewinn halbiert wurde

Um die heutige Lage zu verstehen, muss man auf 2025 schauen. Das Jahr war für Mercedes hart:

Kennzahl20252024Veränderung
Umsatz132,2 Mrd. €145,6 Mrd. €−9 %
Bereinigtes EBIT8,2 Mrd. €13,7 Mrd. €−40 %
Konzernergebnis5,3 Mrd. €10,4 Mrd. €−49 %
Ergebnis je Aktie5,34 €10,19 €−48 %
Free Cashflow Industrie5,4 Mrd. €9,2 Mrd. €−41 %

Der Gewinn hat sich praktisch halbiert. Die Dividende sank dagegen nur um knapp 19 Prozent auf 3,50 Euro. Mercedes hat also bewusst einen größeren Teil des Gewinns ausgeschüttet als früher: Die Quote stieg auf 66 Prozent. Das ist ein Zeichen, dass der Vorstand die Aktionäre bei Laune halten will. Es heißt aber auch, dass der Puffer kleiner geworden ist.

2026: Kosten runter, Gewinn stabil, Umsatz schwach

Das zweite Quartal 2026 zeigt ein gemischtes Bild. Der Umsatz sinkt weiter, aber das Sparprogramm wirkt:

Q2 2026Wertggü. Vorjahr
Umsatz32,1 Mrd. €−3,3 %
EBIT (berichtet)1,55 Mrd. €+21,5 %
Konzernergebnis1,09 Mrd. €+13,5 %
Ergebnis je Aktie1,14 €+20 %
Umsatzrendite Cars (bereinigt)4,0 %Vorjahr 5,1 %
Umsatzrendite Vans (bereinigt)10,2 %–
Free Cashflow Industrie1,1 Mrd. €Vorjahr 1,87 Mrd. €

Was mir auffällt: Mercedes spart konsequent. Die Verwaltungskosten sanken im zweiten Quartal um 14 Prozent, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 12 Prozent. Die Fixkosten liegen laut Unternehmen rund 25 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Gleichzeitig ist das Pkw-Geschäft schwach. Die Marge von 4 Prozent liegt zwar in der Zielspanne von 3 bis 5 Prozent, aber diese Spanne ist schon deutlich niedriger als in den Rekordjahren, als Mercedes zweistellige Margen bei Pkw erzielte. Berichtet blieben im Pkw-Geschäft sogar nur 49 Millionen Euro übrig, weil Mercedes rund 700 Millionen Euro auf seine China-Beteiligungen abschreiben musste.

Das größte Problem: China

Wenn man nur eine Zahl zu Mercedes kennen muss, dann diese: Im dritten Quartal 2026 hat Mercedes in China 31 Prozent weniger Autos verkauft als ein Jahr zuvor.

Pkw-AbsatzQ3 2026ggü. Q3 2025Jan.–Sep. 2026
Weltweit407.200−8 %−7 %
China86.800−31 %−29 %
Europa168.700+5 %+5 %
davon Deutschland58.300+13 %+9 %
USA75.300+6 %+12 %
Top-End (S-Klasse, AMG, Maybach …)53.900−21 %−12 %
Vollelektrisch (BEV)68.400+61 %+40 %
Quelle: Mercedes-Benz Group, vorläufige Absatzzahlen vom 7. Oktober 2026.

China war über Jahre der wichtigste Einzelmarkt und vor allem der Markt für die teuren Modelle mit den höchsten Margen. Genau dort bricht es jetzt weg. Der Anteil Chinas am Pkw-Absatz ist in den ersten neun Monaten von rund 31 auf etwa 24 Prozent gefallen.

Die Gründe sind nicht vorübergehend: Chinesische Hersteller wie BYD, Nio oder Xiaomi bauen inzwischen Elektroautos, die technisch mithalten und deutlich günstiger sind. Viele chinesische Käufer sehen keinen Grund mehr, für einen Stern auf der Haube viel mehr zu zahlen. Dazu kommt eine schwächere Konsumlaune im Land. Ich gehe nicht davon aus, dass Mercedes die alten China-Zahlen in absehbarer Zeit wieder erreicht.

Die Lichtblicke

Es ist aber nicht alles schlecht. Außerhalb von China läuft es sogar ordentlich:

  • Europa und USA wachsen: In Deutschland lag der Absatz im dritten Quartal 13 Prozent über dem Vorjahr, in den USA 6 Prozent.
  • Elektroautos ziehen an: Mit 68.400 vollelektrischen Pkw hat Mercedes im dritten Quartal einen Rekord aufgestellt. Inzwischen ist jeder sechste neue Mercedes ein reines E-Auto. Die Prognose für den Anteil der elektrifizierten Autos wurde auf 23 bis 25 Prozent angehoben.
  • Vans sind eine Ertragsperle: Mit über 10 Prozent Umsatzrendite verdient die Transporter-Sparte im Moment mehr als doppelt so viel pro Euro Umsatz wie das Pkw-Geschäft.
  • Financial Services legen zu: Das bereinigte EBIT der Finanzsparte stieg im zweiten Quartal um 70 Prozent. Die Prognose für die Eigenkapitalrendite wurde auf 12 bis 14 Prozent erhöht.
  • Neue Modelle: Mercedes steckt mitten in seiner größten Modelloffensive mit über 40 neuen Fahrzeugen bis 2027, darunter der neue CLA und eine elektrische C-Klasse.

Die Bilanz: 30 Milliarden Euro auf der hohen Kante

Das vielleicht stärkste Argument für Mercedes steht in der Bilanz. Das Industriegeschäft hatte Ende Juni eine Netto-Liquidität von 30,4 Milliarden Euro. Das heißt: Nach Abzug aller Schulden bleiben über 30 Milliarden Euro Cash übrig.

Zum Vergleich: Bei einem Kurs von rund 41 Euro ist das ganze Unternehmen an der Börse nur noch etwa 40 Milliarden Euro wert. Ein großer Teil des Börsenwerts ist also durch Bargeld gedeckt, und die Daimler-Truck-Beteiligung kommt noch obendrauf. Das ist der Grund, warum viele Analysten die Aktie für unterbewertet halten. Jefferies stuft sie zum Beispiel mit „Kaufen“ und einem Kursziel von 52 Euro ein.

Der Haken: Dieses Geld liegt nicht einfach herum. Mercedes braucht es für den teuren Umbau zur Elektromobilität, für Software und für neue Werke. Und der Markt traut den Gewinnen der Zukunft offenbar nicht.

Wie sicher ist die Dividende?

Für uns Dividendeninvestoren ist das die wichtigste Frage. Ich rechne es einmal grob durch:

  • Die Dividende von 3,50 Euro kostet Mercedes bei rund einer Milliarde Aktien etwa 3,5 Milliarden Euro im Jahr.
  • Dazu kommt das laufende Aktienrückkaufprogramm, aus dem für 2026 noch bis zu 1,7 Milliarden Euro übrig waren.
  • Der industrielle Free Cashflow lag 2025 bei 5,4 Milliarden Euro und soll 2026 leicht darunter liegen.

Dividende und Rückkäufe zusammen verbrauchen also ungefähr den gesamten freien Cashflow. Mercedes hat selbst angekündigt, den verfügbaren Free Cashflow für Dividenden und Rückkäufe zu nutzen. Das funktioniert, solange der Cashflow hält. Sinkt er weiter, wird der Vorstand eher die Rückkäufe drosseln als die Dividende. Aber eine dritte Kürzung in Folge halte ich für 2027 durchaus für möglich, wenn das Pkw-Geschäft nicht wieder anzieht.

Die gute Nachricht: Dank der hohen Netto-Liquidität muss Mercedes die Dividende nicht streichen, selbst wenn ein Jahr schlecht läuft. Ein Totalausfall wie 2020, als die Dividende auf 0,90 Euro fiel, ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Mit 3,50 Euro als fester Untergrenze würde ich trotzdem nicht rechnen.

Chancen und Risiken im Überblick

Chancen

  • Sehr niedrige Bewertung mit einem KGV unter 8
  • Über 30 Milliarden Euro Netto-Liquidität plus Beteiligung an Daimler Truck
  • Sparprogramm wirkt bereits sichtbar
  • Starke Vans- und Finanzsparte
  • Neue Modelle und wachsender E-Auto-Absatz in Europa und den USA

Risiken

  • Dauerhafter Absatzeinbruch in China, vor allem bei den margenstarken Luxusmodellen
  • Zölle und Handelskonflikte, besonders mit den USA
  • Niedrigere Margen bei Elektroautos
  • Zyklische Branche: Die Dividende folgt dem Gewinn, auch nach unten
  • Hohe Ausschüttungsquote von 66 Prozent lässt wenig Puffer

Mein Fazit

Mercedes-Benz ist kein schlechtes Unternehmen. Die Bilanz ist stark, die Kosten sinken und außerhalb von China läuft das Geschäft ordentlich. Die Aktie ist objektiv günstig bewertet.

Als klassische Dividendenaktie für ruhige Nächte sehe ich Mercedes aber nicht. Die Dividende ist zwei Jahre in Folge gesunken und hängt direkt am Gewinn einer zyklischen Branche, die gerade einen großen Umbruch erlebt. Die hohe Rendite ist vor allem eine Folge des gefallenen Kurses, nicht einer wachsenden Ausschüttung.

Wer Mercedes kauft, setzt auf eine Wende: dass die neuen Modelle ziehen, China sich stabilisiert und die hohe Liquidität irgendwann den Aktionären zugutekommt. Das kann aufgehen. Ich würde Mercedes aber höchstens als kleine Beimischung sehen und nicht als Fundament eines Dividendendepots. Darum landet Mercedes in meinem Dividenden-Score auch nur bei 77 von 100 Punkten.

Mein nächster Termin im Kalender: Am 28. Oktober 2026 legt Mercedes die Zahlen für das dritte Quartal vor. Dann sehen wir, wie stark der China-Einbruch auf den Gewinn durchschlägt und ob der Free Cashflow hält.

Und du? Hast du Mercedes im Depot, oder ist dir das Risiko zu hoch? Schreib es mir in die Kommentare. 👇

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Keine Anlageberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 20. Oktober 2026. Maßgeblich sind die Veröffentlichungen der Mercedes-Benz Group AG.

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